Ärzte Zeitung, 02.11.2016
 

Hausärzteverband

Kodier-Debatte ist "abgekartetes Kassen-Spiel"

BAD ORB. In der Debatte um die Kodierung geht es nach Ansicht des Deutschen Hausärzteverbands allein darum, wie viel Geld die Kassen aus dem Risikostrukturausgleich für sich abschöpfen können. TK-Chef Dr. Jens Baas hatte im Oktober mit einer Selbstanklage für Wirbel gesorgt. Ärzte würden durch Prämien dazu gebracht, so zu diagnostizieren, dass es sich für die Kassen auszahle.

Für das eigene Versagen der Kassen würden nun Ärzte vorgeschoben, weil in vielen Verträgen Anreize enthalten seien, um Patienten kränker zu schreiben als sie tatsächlich sind, kritisierte Hauptgeschäftsführer Eberhard Mehl bei der practica 2016.

Noch drastischer drückte es Dr. Gerd Zimmermann aus. Die geforderte Kodierung sei ein "abgekartetes Spiel" der Kassen, mutmaßt der Abrechnungsexperte des Hausarztverbandes. An der Kodierung, die laut Mehl primär dem "perversen Wettbewerb der Kassen" diene, werde nun vermutlich kein Weg vorbeigehen.

"Der Gesetzgeber wird wohl aktiv werden müssen", meint Mehl. Für die Ärzte werde damit eine "Schreckensspirale" in Gang gesetzt. Diese könnte in einem "bürokratischen Overkill" zu Lasten der Ärzte münden, so Dr. Hans-Michael Mühlenfeld, Tagungspräsident der practica. (ras)

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