Ärzte Zeitung online, 24.11.2016
 

Finanzlage

Kassen fahren fette Überschüsse ein

Befeuert von der Konjunktur und wachsender Beschäftigung erzielen die Krankenkassen steigende Überschüsse. Damit kann sich die Koalition lästige Debatten über steigende Zusatzbeiträge ersparen.

Von Florian Staeck

BERLIN. Die Finanzsituation vieler Kassenarten hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich verbessert. Das geht aus einer Abfrage der "Ärzte Zeitung" bei den Kassenverbänden hervor.

- Ersatzkassen: Die Ersatzkassen, bei denen rund 37 Prozent aller GKV-Patienten versichert sind, wies in den ersten neun Monaten einen Überschuss von 757 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatten die sechs Ersatzkassen noch ein Defizit von knapp 97 Millionen Euro eingefahren. Nach Angaben des Ersatzkassenverbands vdek haben die seit Jahresbeginn Leistungsausgaben je Versicherten um 3,4 Prozent zugenommen, die Verwaltungskosten um 3,4 Prozent. Der Schätzerkreis hatte bei seiner Prognose im Herbst 2015 noch mit einer Zunahme der Leistungsausgaben um 4,6 Prozent gerechnet. Allein im dritten Quartal haben die Ersatzkassen durch die Zusatzbeiträge 4,2 Milliarden Euro von ihren Versicherten eingenommen.

- AOK-System: Bei den Ortskrankenkassen, die rund 35 Prozent der Versicherten auf sich vereinigen, hat sich nach eigenen Angaben der positive Trend des Jahres im dritten Quartal verstetigt. Der Überschuss im AOK-System stieg von 125 auf 558 Millionen Euro. Ursächlich dafür sei zum einen der moderate Anstieg der Leistungsausgaben gewesen, die im AOK-System nur um 1,8 Prozent je Versicherten zugelegt haben, erklärte ein Sprecher des AOK-Bundesverbands. Weiterer Grund für die positive Lage sei der Zuwachs bei den Versicherten. Ihre Zahl habe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,4 Millionen zugelegt. Zuletzt hatte die Ortskassen die Zahl ihrer Versicherten mit 24,6 Millionen angegeben.

- IKK: Die Innungskrankenkassen, die 7,4 Prozent der GKV-Patienten versichern, weisen nach neun Monaten ein Defizit von 7,4 Millionen Euro aus. In der Halbjahresbilanz kam die IKK-Familie noch auf einen Überschuss von 21 Millionen Euro.

- BKK: Die Betriebskrankenkassen mit einem Versichertenanteil von 16,5 Prozent haben nach eigenen Angaben noch keine Daten für drei Quartale vorliegen. Zur Jahresmitte stand im BKK-System ein Überschuss von rund 40 Millionen Euro in den Büchern.

Die Knappschaft-Bahn-See wies nach sechs Monaten einen Überschuss von 84 Millionen Euro auf, die landwirtschaftliche Krankenversicherung fuhr ein Plus von mit zwölf Millionen Euro ein.

Allein Ersatzkassen und AOK-System erzielen akutell einen Überschuss von zusammen mehr als 1,3 Milliarden Euro. Zusammen mit den weiteren Kassenarten wird ein GKV-weiter Überschuss von rund 1,5 Milliarden Euro erwartet.

Zum Vergleich: Das vergangene Jahr hat die GKV mit einem Minus von 1,14 Milliarden Euro abgeschlossen. Dies hatte das Bundesgesundheitsministerium damals insbesondere auf zu niedrig kalkulierte Zusatzbeiträge zurückgeführt.

Vor Kurzem hat das BMG bekannt gegeben, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag im kommenden Jahr unverändert bei 1,1 Prozent bleiben wird. Dabei hat die Koalition durch eine Geldspritze von 1,5 Milliarden Euro kräftig mitgeholfen. Die Summe wird 2017 von der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds an die GKV verschoben.

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