Ärzte Zeitung, 09.12.2016
 

Reformwirkungen?

Kassen profitieren von moderatem Ausgabenplus

Um fast zwei Milliarden Euro auf 16,5 Milliarden Euro sind die Finanzreserven der Krankenkassen in den ersten neun Monaten 2016 gewachsen. Ursache ist auch die moderate Ausgabendynamik.

Von Helmut Laschet

Kassen profitieren von moderatem Ausgabenplus

Wofür haben die Kassen im Jahr 2016 bisher mehr und wofür weniger Geld ausgegeben?

© PhotoSG / fotolia.com

BERLIN. Gesundheitspolitische Weichenstellungen des Gesetzgebers zeigen in den ersten neun Monaten 2016 Wirkung: Die Ausgaben für Prävention sowie in der Hospiz- und Palliativmedizin steigen stark zweistellig – wenn auch auf niedriger Basis.

Dies geht aus den am Donnerstag vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten Finanzdaten für die gesetzliche Krankenversicherung hervor.

Als Folge des Präventionsgesetzes sind die Ausgaben um 46 Prozent auf 321 Millionen Euro gestiegen. Besonders stark nahmen die betriebliche Gesundheitsförderung – plus 64 Prozent auf 89 Millionen Euro – und die nichtbetriebliche Prävention in Lebenswelten – plus 211 Prozent auf 81 Millionen Euro – zu.

Ebenfalls positiv bewertet das Bundesgesundheitsministerium die Zuwächse in der Hospizversorgung (plus 27 Prozent) und in der Palliativversorgung (plus 23 Prozent).

Keinen Einfluss auf die Stabilität der GKV-Finanzen

Die leistungsrechtlichen Verbesserungen haben aber keinen Einfluss auf die Stabilität der GKV-Finanzen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: "Die guten Kassenzahlen zeigen, dass wir bei den notwendigen Verbesserungen mit Augenmaß vorgegangen sind."

So sind die Ausgaben der Kassen je Versicherten in den ersten neun Monaten insgesamt um 3,2 Prozent gestiegen. Das liegt unter der Prognose des Schätzerkreises und führte bei einem Überschuss von 1,95 Milliarden Euro zu Reserven von insgesamt rund 16,5 Milliarden Euro.

Im Gesundheitsfonds schrumpfte die Reserve hingegen auf 3,75 Milliarden Euro.

Ausgabenplus für Medikamente geht zurück

Beruhigt hat sich die Ausgabenentwicklung bei Arzneien: nach 9,4 Prozent (2014), 4,0 Prozent im vergangenen Jahr auf nunmehr 2,8 Prozent je Versicherten. Ursachen: Die Ausgaben von innovative Hepatitis-C-Präparate gingen im Vergleich zu den ersten neun Monaten 2015 um 450 Millionen Euro zurück. Die Rabatterlöse zugunsten der Krankenkassen stiegen um elf Prozent auf 2,81 Milliarden Euro.

Für ambulante ärztliche Versorgung haben die Kassen je Versicherten 3,6 Prozent mehr ausgegeben. Auffällig ist der starke Anstieg der Honorare für Psychotherapie um 8,6 Prozent und für Hochschulambulanzen um 23,7 Prozent.

Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung wuchsen je Versicherten um 2,5 Prozent. In absoluten Zahlen ist das ein Erlöszuwachs für die Kliniken von 1,8 Milliarden Euro. Dabei sind allerdings die mit dem Krankenhausstrukturgesetz verbundenen Verbesserungen nur zum Teil finanzwirksam geworden, sodass das BMG künftig mit höherem Wachstum rechnet.

Nach mehreren Jahren teils zweistelliger Zuwächse haben die Ausgaben für Krankengeld mit 3,4 Prozent moderat zugenommen.

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