Ärzte Zeitung online, 11.01.2017
 

Unternehmen

Mehr Kliniken in Niedersachsen mit Defiziten?

Der Anteil der Krankenhäuser in Niedersachsen, die rote Zahlen verbuchen, steigt nach Darstellung der Landeskrankenhausgesellschaft.

Von Christian Beneker

HANNOVER. Mehr als die Hälfte der niedersächsischen Krankenhäuser muss 2016 "mit einem existenzgefährdenden Geschäftsabschluss rechnen". Das gab die niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) nach einer Befragung von 140 Krankenhäusern im Land bekannt. Rund ein Drittel der Krankenhäuser habe das Jahr 2015 mit einem negativen Betriebsergebnis beendet, hieß es.

Im Jahr 2015 konnte – wie im Vorjahr – rund die Hälfte der Krankenhäuser keine tragfähigen Ergebnisse erwirtschaften, in den ersten beiden Quartalen 2016 stieg die Zahl auf über 60 Prozent. Zahlen veröffentlichte die NKG nicht. Sie hat die Geschäftsführungen lediglich um Selbsteinschätzungen gebeten, ob ihr Jahresergebnis tragfähig gewesen sei oder nicht, sagte Marten Bielefeld, Geschäftsführer der NKG der "Ärzte Zeitung".

Eine Ursache der schlechten Ergebnisse sei der für Niedersachsen geltende Landesbasisfallwert. Er liege mit 3278,19 Euro unter dem Bundesschnitt von 3311,98 Euro, so Bielefeld. "Damit bleiben wir in Niedersachsen 2016 rund 60 Millionen Euro unter dem Bundesschnitt."

Die befragten Krankenhäuser bräuchten auch mehr Personal, "auch wenn die Refinanzierung weiterhin kritisch ist", hieß es. "Die Arbeitsverdichtung in den Krankenhäusern hat ein Ausmaß angenommen, welches nicht mehr gesteigert werden kann", sagt NKG-Verbandsdirektor Helge Engelke. So haben 40 Prozent der befragten Häuser ihr Personal aufgestockt, 51 Prozent haben ihre Personaldecke beibehalten und neun Prozent haben Personal abgebaut.

Die AOK Niedersachsen erklärte, dass sich der Geldfluss an die Krankenhäuser "verstärkt an der Qualität der Behandlung orientieren muss. Im Augenblick fehlt bei vielen Häusern noch der wirtschaftliche Erfolgsdruck, um sich stärker in diese Richtung zu bewegen", so die AOKN in einer schriftlichen Stellungnahme auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

Im Übrigen verweist die Kasse auf die fehlenden Investitionen durch das Land Niedersachsen. Die Versichertengelder müssen als Leistung am Krankenbett ankommen und dürfen nicht zweckentfremdet in Baumaßnahmen fließen, hieß es. "Die Investitionsquote des Landes ist auf zuletzt rund vier Prozent gesunken. Eine angemessene Investitionsquote würde jedoch bei acht bis zehn Prozent liegen", so die AOK. Der Investitionsstau belaufe sich in Niedersachsen auf rund auf 1,6 Milliarden Euro.

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