Ärzte Zeitung online, 27.02.2017

Millionen-Plus

AOK hängt die Konkurrenz ab

AOK-Familie fährt im Vorjahr 935 Millionen Euro in die Scheuer – neuer Stoff für Kritik am Kassenausgleich.

Von Florian Staeck

BERLIN. Die Finanzsituation der Kassenarten hat sich 2016 weiter auseinanderentwickelt: Das AOK-System hat im Vorjahr einen Überschuss von 935 Millionen erzielt. Das entspricht fast drei Viertel des Gesamtüberschusses, den die aktuell noch 113 Kassen 2016 eingefahren haben.

Allein im vierten Quartal hat das Plus im Vergleich zum September-Ergebnis nochmals um 377 Millionen Euro zugelegt. Aus Sicht des AOK-Bundesverbands geht diese Entwicklung auf die Gewinnung jüngerer Versicherter und auf ein verbessertes Versorgungsmanagement zurück.

Die Zahlen dürften die Diskussion über die Verteilungswirkungen des Risikostrukturausgleichs neu entfachen. Denn die Ersatzkassen, die rund eine Millionen mehr Menschen versichern als das AOK-System, konnten einen Überschuss von nur 321 Millionen Euro erzielen. Nach drei Quartalen hatte der Überschuss von 757 Millionen Euro betragen. Offensichtlich haben die Leistungsausgaben im vierten Quartal stark angezogen.

Auch die Ersatzkassen schreiben das Ergebnis den Effekten des internen Kassenausgleichs zu. Wenn die Leistungsausgaben oberhalb des GKV-Durchschnitts liegen, werde die "strukturelle Deckungslücke durch den Morbi-RSA stetig größer", erklärte eine vdek-Sprecherin.

Verschlechtert hat sich zuletzt auch die finanzielle Entwicklung bei den Innungskassen, die einen Anteil von 7,4 Prozent aller GKV-Versicherten haben: Ende September belief sich das Minus noch auf sieben Millionen Euro, Ende des Jahres waren es dann bereits 33,2 Millionen Euro.

Auch bei den Betriebskassen ist das Finanzergebnis eingebrochen: Nach drei Quartalen verzeichnete die BKK-Familie einen Überschuss von 91 Millionen Euro, Ende des Jahres waren es noch 29 Millionen Euro.

Dass die Beitragseinahmen konjunkturbedingt sprudeln, sei erfreulich, sagte eine BKK-Sprecherin. Doch das Geld komme nicht "bei den Kassen an, deren Mitglieder aufgrund guter Auftragslage in den Betrieben und hoher Facharbeiterlöhne ein hohes Beitragsaufkommen haben". Der RSA sei "im Hinblick auf regionale Unterschiede nahezu blind". Und dies könne weder durch gutes Fallmanagement noch durch vorbildliches betriebliches Gesundheitsmanagement kompensiert werden.

Das sieht Martin Hoyer, Vizevorstand im AOK-Bundesverband, völlig anders. Am Morbi-RSA habe sich nichts geändert im vergangenen Jahr. Er könne also nicht "die Erklärung für die bilanzielle Achterfahrt einiger Kassen sein", so Hoyer.

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