Ärzte Zeitung online, 15.05.2017
 

Saarland

Onko-Lotsen sollen Halt im "Ausnahmezustand" geben

Die Diagnose Krebs ist für Patienten ein einschneidendes Erlebnis. Im Saarland sollen ihnen zehn Onko-Lotsen zur Seite stehen.

Von Andreas Kindel

SAARBRÜCKEN. Das Saarland bekommt zehn Onko-Lotsen, hat vergangenen Mittwoch die IKK Südwest in Saarbrücken angekündigt. Diese sollen Krebspatienten als Ansprechpartner zur Seite stehen, sie beraten und ihre Behandlung koordinieren. Sie sind Teil des Gemeinschaftsprojekts "Patienteninformation, -kommunikation und Kompetenzförderung in der Onkologie" – kurz PIKKO (wir berichteten).

Neben dem Projekt-Initiator IKK Südwest sind daran unter anderem die KV, der Hausärzteverband und zehn Kliniken im Saarland beteiligt. Starten kann PIKKO, nachdem der Innovationsfonds kürzlich entschieden hatte, es mit knapp 3,6 Millionen Euro zu fördern.

Hintergrund ist, dass viele Patienten bei der Erst-Diagnose "Krebs" häufig überfordert sind und sich in einer Art "Ausnahmezustand" befinden. Helfen sollen die Onko-Lotsen. Die Initiatoren hoffen, dass medizinische Fachangestellte und Pflegekräfte in onkologischen Praxen und Klinik-Stationen die Aufgabe übernehmen. Sie sollen für ihre zusätzliche Aufgabe ein gutes halbes Jahr von der Deutschen Krebsgesellschaft ausgebildet werden.

Bei dem Projekt PIKKO kann jeder niedergelassene Vertragsarzt im Saarland mitmachen. Er soll dann Versicherte in das Versorgungsprogramm einschreiben. Darüber hinaus können sich die teilnehmenden Ärzte um die Bereitstellung eines Onko-Lotsen bewerben – allerdings nur diejenigen, die an der Vereinbarung über die qualifizierte ambulante Versorgung krebskranker Patienten teilnehmen.

Für die Krebspatienten bietet das PIKKO-Projekt noch zwei weitere Angebote. Zum einen erhalten sie Zugang zu gesicherten und personalisierten Informationen aus einer onkologischen Datenbank, die die Krebsgesellschaft zur Verfügung stellt. Zum anderen sollen ihnen die Onko-Lotsen auch Termine bei den Krebsberatungsstellen im Saarland vermitteln. Das nutzen derzeit nur rund 10 Prozent aller Patienten, die neu an Krebs erkranken.

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie am Uniklinikum Jena. So soll per Patienten-Fragebogen die Wirksamkeit von PIKKO evaluiert werden. Die Perspektive der Ärzte und Onko-Lotsen soll mit einer separaten qualitativen Studie erfasst werden. Außerdem schauen die Wissenschaftler, welche Themen in der onkologischen Datenbank von Patienten und Onko-Lotsen am häufigsten abgerufen werden.

Die Bewerbungsphase für die Onko-Lotsen ist vom 1. bis zum 15. November 2017 vorgesehen. Nach der Ausbildung der Lotsen können dann ab 2018 bis zu 1800 Krebspatienten das neue Angebot im Saarland nutzen. Insgesamt ist das Projekt auf drei Jahre angelegt. Ist es erfolgreich, hoffen die Initiatoren, dass es bundesweit etabliert wird.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »