Ärzte Zeitung online, 02.06.2017
 

Versorgungsvertrag

Ziel der Langzeit-Reha ist selbstständiges Wohnen

Trotz Rehabilitations-Chancen kommen noch zu viele Patienten nach der Akut-Reha in ein Pflegeheim, kritisiert eine Krankenkasse.

POTSDAM. Die Innungskrankenkasse Brandenburg und Berlin hat einen Versorgungsvertrag für Patienten mit schweren Hirnschäden und solche mit künstlicher Beatmung mit dem Zentrum für Post-Akute Neurorehabilitation (PAN) in Berlin-Frohnau und einer Hausarztpraxis geschlossen.

Das Zentrum der Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin ist spezialisiert auf die Akut- und Langzeitreha von Patienten mit Schäden am Nervensystem nach Schlaganfällen, Unfällen, gutartigen Hirntumoren oder Gehirnentzündungen. Therapiert werden unter anderem Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen, Wesensveränderungen, motorische Einschränkungen und Sprachstörungen.

Die Langzeitreha dauert anderthalb bis zwei Jahre und zielt darauf ab, Pflegebedürftigkeit nach erworbenen Hirnschäden zu vermeiden. Rund 70 Prozent der Patienten schaffen es nach Angaben der Krankenkasse, im Anschluss an die Therapie selbstständig in betreuten Wohnformen zu wohnen und zum Teil wieder zu arbeiten.

Nutzen für Patienten im Mittelpunkt

"Handlungs- und Alltagsorientierung stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit, wobei die Rehabilitanden ihre Therapieziele gemeinsam mit uns festlegen und wir sie immer wieder evaluieren", so der leitende Arzt des PAN-Zentrums, Professor Stephan Bamborschke.

Die Krankenkasse mit derzeit knapp 240.000 Versicherten in der Hauptstadtregion will mit der Kooperation eine Angebotslücke schließen. Weil Langzeit-Therapien rar seien, würden Patienten trotz Rehabilitationschancen nach der Akut-Reha oft in Pflegeheimen landen, kritisiert die Krankenkasse. "Wir sind froh, hier ein exklusives Therapieangebot für individuelle Bedürfnisse machen zu können", so Katrin Rütting, Leiterin Stationäre Versorgung. Der Neubau in Frohnau schaffe beste Bedingungen für das neue Therapiekonzept.

Der Kooperationsvertrag, an dem auch eine Hausarztpraxis mitwirkt, regelt neben der Post-Akuten Neurorehabilitation auch die Unterstützung bei der Entwöhnung von künstlicher Beatmung. Auch das ist ein langfristiger Therapieprozess von einem bis anderthalb Jahren. (ami)

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