Ärzte Zeitung online, 13.06.2017
 

Krankenkassen

Così fan tutte gilt nicht mehr

Kommentar von Florian Staeck

So machen es alle! Diese Selbstbezichtigung von Jens Baas, Chef der Techniker Kasse, hat im vergangenen Oktober großes Aufsehen erregt. Er beklagte ein flächendeckendes Upcoding durch Krankenkassen, dem sich kein Akteur, der finanziell mithalten wollte, entziehen könne. Diese Ausrede eines "Così fan tutte" gilt nicht mehr.

Die Koalition hat im Frühjahr die gesetzlichen Vorgaben nachgeschärft. Die Mitwirkung von Ärzten bei einer "Nachkodierung", die zudem noch honoriert wird, ist berufsrechtswidrig, hat der Gesetzgeber klargestellt. Doch die Rechtsbefolgung stellt sich im hart umkämpften Kassenmarkt nicht von selbst ein. Deshalb schaltet das Bundesversicherungsamt jetzt einen Gang höher. Appelle an die Verantwortung der Kassen alleine reichen nicht.

Wir können auch anders, lautet die Botschaft von Behörden-Chef Frank Plate in seinem jüngsten Schreiben an die Kassenvorstände. Umfangreichere Prüfungen, Mitwirkungszwang der Kassen, notfalls Zwangsgelder in Millionenhöhe.

Das alles ist richtig, um Datenmanipulationen zu stoppen. Der zweite Schritt des Gesetzgebers müsste darin bestehen, ordnungspolitische Leitplanken zu etablieren, die einen Wettbewerb um die beste Versorgung fördern. Dann dürfte auch wieder gelten: Così fan tutte.

Lesen Sie dazu auch:
Tricks bei Kodierungen: Kassen-Aufsicht schwingt die Keule

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »