Ärzte Zeitung online, 21.06.2017
 

Physiotherapeuten

Mehr Autonomie nützt Patienten

Fünf Jahre ist die Blankoverordnung im Modell erprobt worden. Jetzt liegt die Evaluation vor.

POTSDAM/BERLIN. Die Blankoverordnung durch Heilmittelerbringer nutzt Patienten: Zu diesem Schluss kommen die Innungskrankenkasse Brandenburg und Berlin (IKK BB) und der Verband für Physikalische Therapie (VPT) nach einem fünfjährigen Physiotherapie-Modellversuch.

Von 2011 bis 2016 erhoben Physiotherapeuten auf Basis der ärztlichen Diagnose eigenständig an Patienten den genauen Befund und bestimmten selbst, welches Heilmittel, wie oft und in welchen Abständen zum Einsatz kommen sollte. Die Versicherten der IKK BB, so das Fazit, profitierten von einer stärker individuell planbaren Behandlung ihrer Beschwerden.

"Für die Patienten ist die Behandlung per Blankoverordnung ein Gewinn. Sie schätzen den Behandlungserfolg höher ein als im bisherigen System und fühlen sich in Ziele und Ablauf der Behandlung besser einbezogen. Das sollte die Fachwelt aufhorchen lassen", sagte Professorin Jutta Räbiger von der Alice Salomon Hochschule in Berlin, die das Modellprojekt wissenschaftlich begleitete.

IKK BB-Vorstand Enrico Kreutz bezeichnete das Modell als einen "Wegbereiter für die zukunftsweisende Zusammenarbeit zwischen Arzt und Therapeut". Gestützt auf die Ergebnisse weiterer Modellversuche, sollten Heilmittelerbringer künftig zum Vorteil der Patienten direkter in die Versorgung eingebunden werden.

Der Abschlussbericht wurde vor Kurzem bei der Bundesdelegiertenkonferenz der Physiotherapeuten in Bremen vorgestellt. In den kommenden Tagen wollen die Projektverantwortlichen entscheiden, inwieweit er veröffentlicht wird.

Mittlerweile hat die Koalition im Heil- und Hilfsmittelversorgungs-Stärkungsgesetz (HHVG) vorgegeben, dass die Kassen flächendeckend Modellprojekte zur Blankoverordnung auflegen müssen. Im Vorfeld hatten die Kassen darauf gedrängt, erst die Ergebnisse des laufenden Modellprojekts der IKK BB abzuwarten.

Das Vorhaben ist bei Ärzten in mehreren Regionen auf teils hartsche Kritik gestoßen. Gefordert wurde unter anderem, Ärzten nicht die Kontrolle über die Dauer der Therapie zu nehmen.(juk)

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