Ärzte Zeitung online, 20.07.2017
 

Reanimation durch Laien

Alle Mitarbeiter als Notfallhelfer geschult

Um die Laien-Notfallhilfe zu stärken, setzt eine Kasse im eigenen Haus an. Nun wird das Projekt bundesweit ausgerollt.

BERLIN. Die Notfallhilfe durch Laien soll in Deutschland selbstverständlicher werden. Das fordern die Betriebskrankenkassen. Unter dem Motto "Unsere Herzenssache: Laienwissen stärken – Leben retten" soll ein Projekt der BKK Verkehrsbauunion (BKK VBU) nun bundesweit ausgerollt werden. Die Krankenkasse mit Sitz in Berlin hat alle 1000 Mitarbeiter zu Notfallhelfern geschult und ihre Dienstgebäude mit Defibrillatoren ausgestattet. Das Projekt sieht vor, dass alle BKKen bundesweit so verfahren und das Projekt anschließend auch mit Betrieben, Schulen, Sportvereinen und weiteren Kooperationspartnern umsetzen.

Das Projekt ist Teil des Nationalen Aktionsbündnisses Wiederbelebung, das Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe im Herbst 2016 gemeinsam mit 13 Organisationen gestartet hat. "Wiederbelebung ist einfacher, als viele denken", so Gröhe bei der Auftaktveranstaltung des BKK-Projektes. Es leiste einen wichtigen Beitrag dazu, grundlegendes Notfallwissen besser zu vermitteln, so der Minister.

Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes, kritisierte, dass das Thema Laienhilfe im Notfall in Deutschland kaum wahrgenommen werde. Dabei erleiden hierzulande jedes Jahr nach BKK-Angaben rund 50.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb der Klinik. "Nur zehn Prozent überleben, weil erste Hilfe unterbleibt und wesentliche Minuten vergehen, bis der Notarzt eintrifft.

Die Krankenkasse weist darauf hin, dass nur 30 bis 35 Prozent der Menschen in Deutschland im Notfall eingreifen, während es in Skandinavien rund 70 Prozent seien. "Dass jeder im Notfall helfen kann, muss auch hierzulande eine Selbstverständlichkeit werden", so Knieps. Der Kassenverband unterstützt damit auch eine Forderung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (die "Ärzte Zeitung" berichtete)."

Die BKKen sehen aber auch den Gesetzgeber in der Pflicht. Denn nach seinen Vorgaben sind Erste-Hilfe-Kurse bisher von einer Förderung durch die Kassen ausgeschlossen. "Erste-Hilfe-Kurse sollten selbstverständlich eine Leistung der Kassen werden", so Knieps gemeinsam mit BKK VBU-Chefin Andrea Galle. (ami)

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