Ärzte Zeitung online, 28.11.2017

BKK-Gesundheitsreport

Digitalisierung geht oft mit psychischer Mehrbelastung einher

Die Digitalisierung hat viele Arbeitsprozesse verändert. Knapp ein Drittel der BKK-Versicherten empfindet bezüglich der psychischen Gesundheit dadurch eine stärkere Belastung als früher.

Digitalisierung geht oft mit psychischer Mehrbelastung einher

Die Digitalisierung hat die Arbeitswelt fest im Griff – mit Vor- und Nachteilen für die Beschäftigten. Das gilt auch für die Gesundheit.

© alphaspirit / Fotolia

BERLIN. Im aktuellen Gesundheitsreport der BKK, der heute in Berlin vorgestellt wurde, lag ein Fokus auf dem Thema "Digitale Arbeit – Digitale Gesundheit". Dazu wurden 3000 sozialversicherungspflichtige Teilnehmer befragt.

Die wichtigsten Ergebnisse der BKK-Befragung:

  • 40 % der Beschäftigten erledigen durch die Digitalisierung Aufgaben schneller, genauso viele erledigen mehrere Aufgaben gleichzeitig.
  • 26 % können durch die Digitalisierung Arbeit und Familie/Freizeit besser miteinander vereinbaren.
  • 22 % fühlen sich durch die Digitalisierung ausgebrannt oder überlastet.
  • 29 % erledigen Arbeit auch in der Freizeit. Allerdings sind für immerhin 30 % Telefonate und E-Mails in der Freizeit nicht relevant.
  • 28 % empfinden bezüglich der psychischen Gesundheit eine stärkere Belastung als früher, 21 % bezüglich der körperlichen Gesundheit (Mittelwerte aller Berufsgrupen). Auffällig: vor allem IT- und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe sowie Gesundheitsberufe liegen hier merklich über dem Schnitt.
  • Nur einer von zehn Befragten fühlt sich eher weniger belastet. Insgesamt sieht sich die Mehrheit durch die Digitalisierung ihrer Arbeit aber nicht mehr und nicht weniger gesundheitlich belastet als früher.
  • Zugleich werden der Umfrage zufolge gerne digitale Services der Gesundheitsversorgung genutzt – vor allem bei Mehrfacherkrankten –, vor allem solche, die Formales vereinfachen, etwa Meldungsübermittlungen an die Kasse oder Erinnerungsfunktionen für Untersuchungen. Eher weniger gefragt scheinen Online-Coaching oder Online-Behandlung oder eine sensorgesteuerte Gesundheitsüberwachung. Wenig überraschend: Datenschutz und Datenhoheit der eigenen Gesundheitsdaten sind rund 80 Prozent der Befragten wichtig.

    Anstieg bei den psychischen Erkrankungen

    Die Auswertung der Kennzahlen der Versicherten zeigt – ähnlich wie bei anderen Kassen – einen Anstieg der AU-Tage, die auf psychische Störungen zurückzuführen ist – von 9,8 % in 2006 auf 16,3 % in 2016. Psychische Störungen sind auch mit einer durchschnittlichen Falldauer von mehr als 5 Kalenderwochen die Krankheitsart, die pro Fall die längsten krankheitsbedingten Ausfallzeiten verursachen. Auf sie entfallen nach BKK-Angaben auch die weitaus meisten stationären Behandlungstage (21 %). Betroffen sind dann dabei vor allem die unter 60-Jährigen. Bei älteren Versicherten dominieren Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Grund für Krankenhausbehandlungen.

    In die Arztpraxis zur ambulanten Behandlung führen bei Männern am häufigsten Atmungssystemuntersuchungen, bei Frauen sind es am häufigsten Zusatzdiagnosen, insbesondere Vorsorge- und Kontrazeptionsmaßnahmen.

    Insgesamt sind nach BKK-Angaben im Jahr 2016 durchschnittlich 1,3 AU-Fälle und 17,4, AU-Tage je Mitglied aufgetreten, überwiegend durch Erkrankungen des Muskelskelett-Systems, des Atmungssystems sowie psychischen Störungen (55,9%). (run)

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