Ärzte Zeitung online, 28.11.2017
 

BKK-Gesundheitsreport 2017

Digitalisierung bedeutet Stress für die psychische Gesundheit

Immer auf Draht zu sein kann krank machen. Ein aktueller Report findet in der Digitalisierung aber auch positive Ansätze.

Von Anno Fricke

BERLIN. Computer, Laptop und Smartphone haben die Arbeitswelt weitgehend durchdrungen. Lediglich neun Prozent der Arbeitnehmer nutzen keine digitale Technik bei ihrer Arbeit, immerhin 52,5 Prozent immer. Das hat eine Umfrage des Dachverbands der Betriebskrankenkassen ergeben.

Die mit der digitalen Transformation erweiterte Verfügbarkeit der Arbeitnehmer sorgt auch in den Gesundheitsberufen für psychische Belastungen. In medizinischen und nicht medizinischen Gesundheitsberufen fühlt sich knapp ein Drittel der Arbeitnehmer seelisch stärker unter Druck als früher.

Ständige Erreichbarkeit gehe einher mit schlechter Laune, emotionaler Erschöpfung, Schlaflosigkeit, sowie Rücken- und Nackenschmerzen, berichtete Professor Jan Dettmers von der Medical School Hamburg (MSH) bei der Vorstellung des BKK-Gesundheitsreports 2017 "Digitale Arbeit – Digitale Gesundheit" am Dienstag in Berlin. Es gebe in geringerem Umfang (11 Prozent) aber auch die Erfahrung, dass sich mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten Familie und Beruf besser vereinbaren ließen.

Der Einzug digitaler Arbeits- und Kommunikationsprozesse in die Gesundheitsversorgung sei eine Chance für die Arzt-Patientenbeziehung sagte Verbandsvorsitzender Franz Knieps. Das Abwägen unterschiedlicher Therapieansätze, gerade auch bei multimorbiden Patienten, sei nicht mechanisierbar, so Knieps.

Dieser Einschätzung entspricht wohl die Erwartung der Patienten. Schon bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit wünscht sich eine deutliche Mehrheit von 76,3 Prozent der 3000 Befragten den persönlichen Arztkontakt. Das übrige knappe Viertel würde sich auch mit einem Videochat begnügen. Bei der Bürokratie und beim Medikamentenkauf sind die Präferenzen nicht so eindeutig verteilt. 65,5 Prozent würden Formulare lieber online versenden und mehr als 45 Prozent würden ihre Medikamente gerne vom Versandhandel beziehen.

Massive Veränderungen durch die Digitalisierung sagt Professor Holger Pfaff von der Universität Köln für das Gesundheitswesen voraus, vor allem in der Diagnostik. Wo es um Mustererkennung gehe, wenn Abläufe algorithmierbar seien, könnten die Maschinen die Menschen in der Zukunft ersetzen.

Der Report trifft den Nerv einer Debatte. "Immer mehr Menschen werden durch überlange Arbeitszeiten und Dauerstress am Arbeitsplatz krank", kommentierte Klaus Ernst, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linken die Ergebnisse. Er forderte Arbeitszeitbegrenzungen und Ruhezeiten.

BKK-Krankenstand

  • 91 Prozent der 9 Millionen BKK-Versicherten waren 2016 mindestens einmal in ambulanter Behandlung (plus 0,2%).
  • 55,9 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage gehen auf Erkrankungen des Muskel- Skelett-Systems und psychische Störungen zurück.
  • Fünf Wochen pro Fall dauert es im Durchschnitt, bis ein psychisch erkrankter Mensch wieder an seinen Arbeitslatz zurückkehren kann.
  • Quelle: BKK-Gesundheitsreport 2017

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