Ärzte Zeitung online, 13.12.2017

Landessozialgericht

Patientin nicht zu krank für Blindenhund

CELLE. Eine Gehbehinderung steht einer Versorgung mit einem Blindenführhund grundsätzlich nicht entgegen. Das hat das Landessozialgericht (LSG) Niedersachsen-Bremen in einem Urteil betont. Danach kann gerade für Gehbehinderte ein Hund gegenüber einem Langstock vorteilhaft sein.

Konkret sprach das LSG einer 73-jährigen Frau aus dem Landkreis Uelzen einen Blindenführhund zu. Sie leidet an MS und ist daher beim Gehen auf einen Rollator angewiesen. Zudem ist sie weitgehend blind und hat daher Schwierigkeiten, Eingänge, Briefkästen, Geschäfte und Straßenüberquerungen zu erkennen. Um Hilfe zu bekommen, beantragte sie einen Blindenhund. Die Krankenkasse hielt dies für unwirtschaftlich. Wegen ihrer schwerwiegenden körperlichen Erkrankungen könne sie einen Blindenhund nicht führen. Auch fehle ihr die nötige Kondition, um einen Hund zu versorgen.

Dem hat das LSG Celle nun widersprochen. Gerade den sonst für blinde Menschen üblichen Langstock könne die Klägerin nicht nutzen, weil sie beim Gehen eine Gehhilfe halten muss. Die Kombination aus Rollator und Blindenhund sei dagegen "technisch realisierbar und für die Klägerin auch praktikabel". Gutachter hätten ihr auch eine ausreichende Grundkonstitution bescheinigt, um einen Hund zu versorgen.

Im konkreten Fall hielten die LSG-Richter es sogar für erforderlich, die Krankenkasse an ihre "Pflicht zur humanen Krankenbehandlung" zu erinnern. Anlass hierzu gab ein Anruf der Kasse bei der Hundeschule: Anstatt die Frau zu unterstützen möge diese sie doch überzeugen, dass sie für einen Hund körperlich ungeeignet ist. Dabei gebe es inzwischen vier Gutachten mit gegenteiligem Ergebnis.(mwo)

Urteil des LSG Niedersachsen-Bremen:

Az.: L 16/1 KR 371/15

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Lärm und Stress im Beruf sind Gift fürs Herz

Mit zunehmendem Lärmpegel im Job steigt offenbar das KHK-Risiko, so eine Studie. Besonders groß ist die Gefahr bei denjenigen, die unter hohem psychischen Druck stehen. mehr »

Viel Alkohol führt früh in die Demenz

Alkoholmissbrauch ist einer Studie zufolge der mit Abstand wichtigste Grund für eine früh beginnende Demenz. mehr »

Unerfüllter Kinderwunsch? Auch die Schilddrüse abklären!

Eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kann bei Frauen an Störungen des Zyklus oder der Fruchtbarkeit beteiligt sein. Auch bei Männern kommt es zu Sexualstörungen. mehr »