Ärzte Zeitung online, 14.12.2017

Krankenhausplanung

Laumann will Konsens der Krankenhausträger binnen sechs Monaten

NRW-Gesundheitsminister Laumann fordert mehr Tempo bei der Krankenhausplanung und kündigt bis Mitte 2018 eine Bestandserhebung durch externe Gutachter an.

Von Ilse Schlingensiepen

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Vernetzte Versorgung: Krankenhäuser sollten sich laut NRW-Gesundheitsminister Laumann besser absprechen.

© Contributor/Getty Images/iStockphoto

NEUSS. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) will das kommende Jahr nutzen, um ein Konzept für die künftige Landeskrankenhausplanung zu erstellen. Das Ministerium benötige dafür externen Sachverstand und werde ein Gutachten beauftragen, kündigte Laumann beim diesjährigen Forum der Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW) in Neuss an: "Wir brauchen eine Bestandsaufnahme der derzeitigen Krankenhaus-Versorgung, um dann eine Bedarfsprognose zu erstellen."

Die Bestandserhebung soll einen Überblick über die einzelnen Fachrichtungen, die Fallzahlen und die Entfernungen zwischen den Kliniken geben. Das Gutachten wird Mitte 2018 vorliegen, erwartet Laumann. Dann werde das Ministerium das Gespräch mit allen wesentlichen Akteuren suchen. Die Planungsverfahren müssten wesentlich beschleunigt werden. "Der Krankenhausplan 2015 wird im ersten Halbjahr 2018 fertig, weil in jedem Planungsbezirk einer quer im Stall steht", kritisierte er. Kliniken und Krankenkassen sollen sich künftig innerhalb von sechs Monaten verständigen. "Sonst müssen die Beteiligten damit rechnen, dass die Bezirksregierungen übernehmen."

Von den Kliniken des Landes fordert Laumann die Bereitschaft zu Strukturveränderungen. Dabei setzt er auf Kooperationen und Absprachen zwischen den Häusern vor Ort. Diese Faktoren werden künftig bei der Krankenhausförderung eine wichtige Rolle spielen. "Es ist nicht zu viel verlangt, dass in einer Stadt mit 300.000 Einwohnern die drei Krankenhäuser miteinander reden und sich abstimmen."

Laumann teilt Befürchtungen nicht

Die Befürchtung von Klinikmanagern, dass die Häuser bei Absprachen Ärger mit dem Kartellamt bekommen würden, teilte er nicht. "Es geht nicht um Marktabsprachen, sondern um Versorgungsabsprachen."

Laumann sagte, dass bei der Investitionsfinanzierung künftig für die Einzelförderung rund 600 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung stehen werden – "zielgerichtet für Maßnahmen zur Verbesserung der Strukturen und der Qualität in den Regionen".

KGNW-Präsident Jochen Brink begrüßte, dass die neue schwarz-gelbe Landesregierung die Förderung aufstocken will. Angesichts des großen Investitionsbedarfs reichten die vorgesehenen Mittel aber nicht aus. "Wir verlieren auch jetzt weiter kontinuierlich an Substanz", warnte er.

Weniger Kliniken, mehr Patienten

Die im Nachtragshaushalt für 2017 eingestellten 250 Millionen Euro bedeuteten für ein mittelgroßes Krankenhaus mit 300 Planbetten und 13.000 bis 14.000 stationären Patienten pro Jahr 600.000 bis 700.000 Euro. Das reiche nicht aus, um das Problem auch nur annähernd in den Griff zu bekommen, so Brink. "Damit kann man gerade einmal eine Pflegestation sanieren."

Mit Blick auf die von Laumann geforderten Strukturveränderungen findet Brink, dass sich schon eine Menge bewegt hat. Die Zahl der Kliniken in NRW hat sich von 2006 bis 2016 von 437 auf 348 reduziert, während es bei den stationär behandelten Patienten gleichzeitig einen Anstieg von 3,9 Millionen auf 4,6 Millionen gab.

Die Krankenhäuser stünden zur Verfügung, wenn die Landesregierung hier weitere Schritte gehen möchte. "An der Höhe der notwendigen Investitionen für die flächendeckende Versorgung ändert sich dadurch allerdings nichts", betonte Brink. Die Kliniken bräuchten eine verlässliche und transparente Aussage, wie das Problem der anerkannten Förderlücke in den nächsten Jahren angegangen wird. "Eine Debatte über Strukturen darf und kann hiervon nicht ablenken."

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