Ärzte Zeitung online, 29.12.2017

Chefin des GKV-Spitzenverbands

Geld ist da, jetzt müssen neue Strukturen folgen

Die Finanzlage ist gut  – überfällige Strukturreformen dürfen jetzt nicht auf die lange Bank geschoben werden, sagt GKV-Spitzenverbandschefin Doris Pfeiffer.

BERLIN. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung hat die Politik aufgefordert, die gute Finanzlage zu dringenden Strukturreformen zu nutzen. Als Beispiel nannte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes Dr. Doris Pfeiffer das Nebeneinander von niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern. Sie sagte der dpa: "Es ist die Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass Kliniken und niedergelassene Ärzte endlich Hand in Hand für die Versorgung der Patienten arbeiten, statt sich darum zu streiten, wer am meisten aus den Portemonnaies der Beitragszahler bekommt."

Die Strukturen müssten sich nach den Patienten richten und nicht umgekehrt. "Strukturveränderungen sind anstrengend, aber notwendig. Ich finde, dies sind wir alle gemeinsam – Politik, Ärzte, Kliniken, Apotheken und Krankenkassen – den 72 Millionen gesetzlich versicherten Menschen schuldig", unterstrich Pfeiffer. Das Geldpolster der gesetzlichen Krankenversicherung ist in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres auf 24 Milliarden Euro gestiegen.

Zugleich bekräftigte Pfeiffer ihre Kritik daran, dass die gesetzlichen Krankenkassen viel zu wenig Geld vom Staat bekämen, um Hartz-IV-Empfänger medizinisch zu versorgen. "Arbeitslosengeld II ist eine staatliche Sozialleistung." Deshalb müsse der Staat ausreichend Geld dafür zur Verfügung stellen. Die Monatspauschale belaufe sich aber nur auf 97 Euro pro Person, während die Versorgungskosten deutlich höher lägen.

Für ALG-II-Empfänger, die privat versichert sind, erhalten deren Versicherungsunternehmen bis zu 341 Euro pro Person. Es kann doch nicht sein, dass die solidarische gesetzliche Krankenversicherung, die über 90 Prozent der Bevölkerung versorgt, vom Staat schlechter behandelt wird als private Versicherungen", sagte Pfeiffer. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Infarktgefahr durch schnellen Anstieg von Stickoxiden

Hohe Stickoxidkonzentrationen in der Umgebungsluft können auch das Herzinfarktrisiko erhöhen. Aber auch ein schneller NO-Anstieg scheint gefährlich zu sein. mehr »

Liebe überwindet geistige Behinderung

Eine Anlaufstelle in Mainz kümmert sich, wenn Menschen mit geistiger Behinderung wegen unerfüllter Sehnsucht nach Lust und Liebe das Herz schwer ist. Anfragen kommen aus ganz Deutschland. Trotzdem droht die Schließung. mehr »

Putzen schadet der Lunge ähnlich wie Rauchen

Schlechte Nachrichten für Sauberkeitsfans: Wer regelmäßig Reinigungsmittel benutzt, schadet seiner Lunge so, als ob man jahrelang raucht. Diesen Effekt fanden Forscher aber nur bei Frauen – doch sie haben dafür eine Erklärung. mehr »