Ärzte Zeitung online, 16.01.2018

Studie

Wo und wann sich Patienten im Krankenhaus wohlfühlen

Die Bertelsmann Stiftung hat untersucht, wo Patienten ihren Klinikaufenthalt am besten bewerten. Dabei fanden die Analysten auch heraus, dass auch die Vor- und Nachsorge beim Hausarzt einen direkten Einfluss darauf hat, wie zufrieden die Patienten nach einem Klinikaufenthalt sind.

Wo und wann sich Patienten im Krankenhaus wohlfühlen

Wie zufrieden sind Patienten mit ihrem Klinikaufenthalt? In Sachsen und Bayern sind sie das mehr, in Bremen und Niedersachsen weniger, so eine Bertelsmann-Studie.

© treenabeena / Fotolia

GÜTERSLOH. Eine hohe Hausarztdichte wirkt sich auf die Patientenzufriedenheit nach einem Krankenhausaufenthalt aus. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Kommen auf 100 000 Einwohner durchschnittlich 75 oder mehr Hausärzte, liegt die Weiterempfehlungsrate nach einem Klinikaufenthalt um fünf Prozentpunkte höher als in Regionen mit 50 oder weniger Hausärzten. Die Qualität von ambulanter und stationärer Versorgung könne deshalb nicht unabhängig voneinander betrachtet werden, so die Studienautoren. Es sei bereits lange bekannt, dass das Überweisungs- und Nachsorgeverhalten im ambulanten Bereich einen erheblichen Einfluss darauf habe, wie das Ergebnis der stationären Behandlung am Ende ausfalle, heißt es.

Die Studienautoren empfehlen deshalb, alle Möglichkeiten zu prüfen, öffentliche Fördermittel künftig stärker in sektorübergreifende Strukturen zu investieren.

1 Million Patientenrückmeldungen wurden in der Patientenzufriedenheitsstudie nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung berücksichtigt.

Wettbewerb führt nicht unbedingt zu mehr Qualität in der stationären Versorgung. Das ist ein weiteres Ergebnis der Studie. So gibt es zwischen ländlichen Kreisen mit vermutlich wenig Auswahl an Kliniken und kreisfreien Städten mit großer Auswahl keine signifikanten Unterschiede in der Patientenzufriedenheit. Eine Ausnahme bilden allerdings internistische Abteilungen in Großstädten. Sie werden von Patienten positiver bewertet als Abteilungen in kleineren Städten und auf dem Land.

Die vom IGES-Institut im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung und der Weißen Liste vorgenommene Untersuchung zeigt, dass sich Patienten in bayerischen und sächsischen Krankenhäusern durchschnittlich am besten aufgehoben fühlen. So lag die Weiterempfehlungsbereitschaft nach einem Klinikaufenthalt in Sachsen durchschnittlich bei 82 Prozent und in Bayern bei 81,7 Prozent. In Bremen wollten dagegen nur 73,9 Prozent der Patienten anderen ihre Klinik weiterempfehlen, in Niedersachsen 76,7 Prozent. Der gesamtdeutsche Durchschnitt liegt bei 79,3 Prozent.

Differenzen zwischen Fachrichtungen

Unterschiede zeigten sich in der Bewertung aber nicht nur zwischen den Regionen, sondern auch zwischen alten und jungen Patienten und zwischen Männern und Frauen. So bewerteten ältere Patienten ihren Klinikaufenthalt im Durchschnitt positiver als junge und Frauen waren kritischer als Männer. Ein Zusammenhang zeigt sich auch zwischen der Standortgröße und der Weiterempfehlungsbereitschaft. Hier lautet die grobe Formel: Mit steigendender Bettenzahl nimmt die Zufriedenheit der Patienten ab, das gleiche gilt für die Zahl der Behandlungsfälle je Arzt.

Allerdings gibt es hier Unterschiede zwischen internistischen und chirurgischen Abteilungen. In der Inneren Medizin ist der Zusammenhang grundsätzlich negativ, in der Chirurgie dagegen steigt die Weiterempfehlungsrate bis zu einer Krankenhausgröße von etwa 475 Betten. Ist die Klinik noch größer, nimmt die Zufriedenheit ab. Eindeutige Unterschiede zwischen den Krankenhausträgern konnten Studienautoren nicht feststellen.

Eindeutige Erklärungen für die Ergebnisse liefert die Studie nicht. Allerdings empfehlen die Autoren, bei unterdurchschnittlicher Patientenzufriedenheit in größeren zusammenhängenden Regionen, die Ergebnisse auf Standort- und Abteilungsebene zu analysieren. Ausgewertet wurden eine Million Rückmeldungen von AOK- und Barmer-Patienten. (chb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Ausreichend Folsäure schützt Hypertoniker vor Schlaganfall

Bestimmte Hypertoniker sollten auf eine gute Folsäureversorgung achten. Dadurch können sie ihr Schlaganfallrisiko deutlich senken. mehr »

Feinsinnige Geister und Antisemiten

Ein neues Buch beleuchtet die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin während des Nationalsozialismus. Am Fallbeispiel Emil von Bergmann erkennen Leser, wie zwiegespalten die DGIM-Mitglieder waren. mehr »

Saunieren schützt vor Schlaganfall

Möglicherweise beugt häufiges Saunieren Hirninfarkten vor. In einer finnischen Studie war die Schlaganfallrate bei Saunafans um 60 Prozent reduziert - dafür mussten Saunagänger aber einen Faktor beherzigen. mehr »