Ärzte Zeitung online, 09.08.2018

Klinikreport 2018

Barmer für stärkere Zentralisierung von Klinik-Leistungen

Die Barmer Krankenkasse dringt auf eine stärkere Zentralisierung von Leistungen der Krankenhäuser – auch für einen gezielteren Einsatz dringend benötigter Pflegekräfte.

Barmer für stärkere Zentralisierung von Klinik-Leistungen

Zentralisierung im Krankenhaus: Behandlung bei Krebs und Schlaganfall nur noch in qualifizierten Zentren?

© Olivier Le Moal / stock.adobe.com

BERLIN. In Berlin wird am Donnerstag von der Barmer Krankenkasse der alljährliche Klinik-Report vorgestellt. "In Deutschland gibt es im internationalen Vergleich nach wie vor zu viele Krankenhausbetten und Fachabteilungen in Kliniken", sagte Barmer-Chef Christoph Straub im Vorfeld der Deutschen Presse-Agentur. "So wird die wertvolle und begrenzte Ressource Pflege auch da eingesetzt, wo sie keinen zusätzlichen Nutzen stiftet."

Nach Ansicht von Straub sollten zum Beispiel Schlaganfälle und Krebs primär in qualifizierten Zentren behandelt werden. Davon profitierten alle. "Patienten werden besser betreut, die Versorgung ist besser, und die Pflegekräfte kommen hoffentlich nicht mehr so oft an die Grenzen ihrer Belastbarkeit", so der Kassenchef. Das Sterberisiko bei komplizierten Operationen hänge auch davon ab, wie und wo operiert werde.

Bauchaorten-Op: Wo das Risiko am größten ist

So sind die Erfolgsaussichten für die Patienten mit einer geplanten Bauchaorten-Op wegen eines Aneurysmas laut einer Analyse der Barmer Krankenkasse in deutschen Kliniken sehr verschieden. Sie hänge deutlich davon ab, wie und wo operiert werde, teilte die Kasse am Donnerstag nach Ergebnissen ihres „Krankenhausreports“ mit. Straub wertet dies als Argument die Eingriffe nur noch in zertifizierten Gefäßzentren oder Kliniken mit vielen Fällen machen zu lassen. Eine flächendeckende Versorgung bliebe trotzdem gesichert.

An der Bauchaorta wurden 2016 rund 11.400 Menschen über 65 Jahre operiert, wie es in der Studie heißt. Die Überlebenschancen hingen dabei auch vom Operationsverfahren ab. So sei bei minimal-invasiven Eingriffen das Risiko, an den Folgen zu sterben, drei Jahre nach der Operation um zwei Prozentpunkte geringer (16,4 Prozent) als bei der offen-chirurgischen Methode (18,4 Prozent).

Bei den angewendeten Verfahren gebe es zugleich regionale Unterschiede. So seien in Sachsen zwischen 2014 und 2016 fast 86 Prozent der Patienten minimal-invasiv an der Bauchaorta operiert worden, in Niedersachsen nur gut 69 Prozent und im Saarland 61 Prozent.

Lesen Sie dazu mehr:
Klinik-Spezialisierung: Retten Mindestmengen Leben?

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