Ärzte Zeitung, 31.08.2018

Finanzen

Polster bei allen Krankenkassen dick genug

Bundesversicherungsamt gibt Entwarnung: Alle Kassen unter BVA-Kontrolle haben ausreichende Rücklagen. Beigetragen haben dazu auch die GKV-Mitglieder durch fast 15 Milliarden Euro an Zusatzbeiträgen.

Von Florian Staeck

Polster bei allen Krankenkassen dick genug

14,95 Milliarden Euro an Zusatzbeiträgen haben die Krankenkassen im vergangenen Jahr eingenommen.

© Christian Ohde / chromorange / picture alliance

BONN/BERLIN. Die anhaltend wachsenden Beitragseinnahmen in der GKV haben die finanzielle Situation auch der Kassen mit bisher dünnem Polster verbessert.

Ende 2017 verfügten alle 110 Kassen über eine Rücklage von mindestens 0,25 Monatsausgaben. Das geht aus dem Jahresbericht des Bundesversicherungsamts für 2017 hervor.

Ein Jahr zuvor waren noch vier Kassen unter dieser Marge geblieben. 34 der insgesamt 65 Kassen unter BVA-Aufsicht haben im vergangenen Jahr Betriebsmittel und Rücklagen von mehr als einer Monatsausgabe angesammelt (siehe nachfolgende Grafik).

Ende 2017 hat sich das Polster der Kassen auf insgesamt 19,5 Milliarden Euro belaufen, im zweiten Quartal dieses Jahres sind die Rücklagen auf über 20 Milliarden Euro gestiegen.

Anfang des Jahres waren 500.000 Mitglieder in drei Kassen von einem höheren Zusatzbeitrag betroffen, 8,1 Millionen Mitglieder in acht Kassen konnten sich über einen sinkenden Obolus freuen.

GKV-weit haben die Kassen im vergangenen Jahr Zusatzbeiträge in Höhe von 14,95 Milliarden Euro eingenommen, 13,88 Milliarden Euro waren es im Jahr zuvor.

Nur begrenzt Freude

Freilich macht die Anlage der Überschüsse den Kassenmanagern angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus nur begrenzt Freude. Ende 2015 standen den Sozialträgern unter BVA-Aufsicht liquide Mittel in Höhe von 62,1 Milliarden Euro zur Verfügung.

Doch seit Oktober 2017 übernimmt der Bankenverband die Einlagensicherung bei Sozialkassen nur noch mit Einschränkungen. Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen sind seitdem vom Schutz der Einlagensicherung ausgenommen.

Zuletzt haben die Sozialkassen mehr als 27 Milliarden Euro in Anlageformen investiert, die dadurch abgesichert werden.

Ab 2020 sind zudem nur Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu 18 Monaten geschützt. Durch diese Entwicklung wird die Geldanlage der Kassen "erheblich erschwert", konstatiert das BVA.

Aktien sind nicht erlaubt

Für den Gesundheitsfonds sind die Konsequenzen dokumentiert. Er "erwirtschaftete" 2017 Zinsverluste von 4,5 Millionen Euro (2016: 5,1 Millionen Euro).

Denn in Aktien dürfen die Sozialkassen keine Gelder anlegen, sie sind als Anlageprodukte nicht zugelassen. Eine Ausnahme gilt seit Ende 2016: Bis zu zehn Prozent des Deckungskapitals für die betriebliche Altersversorgung ihrer Mitarbeiter dürfen die Kassen in Aktien anlegen.

Disease-Management-Programme beschreibt das BVA in seinem Bericht als "festen Bestandteil der deutschen Versorgungslandschaft". 8,05 Millionen Versicherte waren im Vorjahr in einem DMP eingeschrieben, davon 1,2 Millionen in mehr als einem Programm.

Die Zahl der Teilnehmer stieg 2017 um rund 100.000, nur im DMP Brustkrebs stagniert die Teilnahme.

Das BVA betont den gesamtwirtschaftlichen Nutzen der Programme, da eine erhöhte Therapie-Adhärenz, wie sie durch DMP erreicht wird, "zu hohen Kosteneinsparungen führt".

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wo Ärzte für die Telematikinfrastruktur gut gerüstet sind

Bis 31. März sollten Vertragsärzte den Anschluss an die Telematikinfrastruktur bestellt haben – sonst drohen Honorarkürzungen. Ein Blick in die KVen zeigt, wie der Stand ist. mehr »

Wo die Masern-Impfung (nicht) angesagt ist

In Deutschland treten Masern zuletzt vermehrt auf, was die Diskussion um eine Impfpflicht neu entfacht hat. Viele Kinder erhalten bislang die Impfungen nicht. Wir zeigen anhand von Landkarten, wie hoch die Masern-Impfquoten in den einzelnen Stadt- und Landkreisen sind. mehr »

Regierung will faire Kassen-Wahl

Bundesgesundheitsminister Spahn wünscht mehr Wettbewerb zwischen den Krankenkassen. Mit einem neuen Gesetz will er das AOK-System umkrempeln. Und der Risikostrukturausgleich soll deutlich mehr Krankheiten enthalten. mehr »