Ärzte Zeitung online, 29.11.2018

Künstliche Intelligenz

Ärzte sehen Grenzen durch Techniker Kasse verletzt

BERLIN. Heftige Reaktionen aus der Ärzteschaft erfährt die Digitalstrategie der Techniker Krankenkasse. „Diese Form von Einmischung einer Krankenkasse in das individuelle Arzt-Patienten-Verhältnis ist für uns eine klare Grenzüberschreitung“, sagte Hartmannbund-Vorsitzender Dr. Klaus Reinhardt dazu am Donnerstag auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“.

Die TK hatte am Mittwoch angekündigt, Anfang kommenden Jahres den Symptomcheck des Start-ups „Ada Health“ in ihre Patienten-App (TK-Doc-App) zu integrieren. Nach erfolgtem Check sollen die Versicherten Gelegenheit haben, die Ergebnisse mit einem Mediziner aus dem TK-Ärzte-Zentrum zu besprechen.

Die Kommunikation zwischen Krankenkasse und Versichertem habe sich auf das bilaterale Versichertenverhältnis zu beschränken, bemerkte Reinhardt dazu.

Digitalisierung und die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz müssten auch die Ärzte nutzen, sagte der Vorsitzende des NAV-Virchow-Bundes Dr. Dirk Heinrich. „Wichtig ist jedoch, dass am Ende immer ein Vertragsarzt steht. Das erwarte ich auch vom neuen Angebot der TK“, sagte Heinrich der „Ärzte Zeitung“.

Falls nicht, bedeute dies faktisch die Kündigung der Kollektivverträge und die Übernahme des Sicherstellungsauftrags durch die Krankenkassen, sagte Heinrich. Wenn der Kostenträger selbst behandele, verändere sich die Versorgung, warnten die Ärztefunktionäre. Das Gesundheitssystem gerate in Schieflage, wenn den niedergelassenen Ärzten und ihren Kollegen in den Kliniken nur die Rolle der Zweitmeinungslieferanten bleibe. (af)

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[30.11.2018, 06:24:07]
Gerhard Leinz 
Sanktionsmacht! für die Aufsichtsbehörden
Die Gesetzverstöße der Krankenkassen werden immer häufiger: Mutmaßlicher (keine zur Ausübung der Heilkunde Berechtigten, aber wer kann das schon beweisen!) Verstoß gegen das Heilberufegesetz: Online Therapie für Depressive. Verstoß gegen das Sozialgesetzbuch: Rechtswidrig begründete Ablehnungen von Anträgen auf Kostenerstattung bei Psychotherapien. Verstoß gegen das Verbot zusätzliche Diagnosen zu generieren. Generell ein Verhaltensmuster: Beschließt der Gesetzgeber etwas was uns nicht passt, machen wir trotzig weiter: Beispiel: Verbot der regelhaften Prüfung von Rehabilitationsanträgen durch den Medizinischen Dienst. Reaktion der Krankenkassen: Interessiert uns nicht! Wer soll uns das beweisen?? Jetzt Verbot der regelhaften Ausschreibungen von Heilmitteln, was die Billigmedizin puscht. Wie wäre es mit saftigen Geldbußen??
Ärzte kennen so etwas schon lange: Regress!
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