Ärzte Zeitung online, 05.09.2019

GKV macht Defizit

Wofür die Kassen mehr Geld ausgaben

Bei den Krankenkassen steht für das erste Halbjahr ein Defizit zu Buche. Besonders zwei Kostenblöcke sorgten für Mehrausgaben.

Von Thorsten Schaff

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Vor allem Schutzimpfungen und Heilmittel sorgten für Mehrausgaben bei der GKV im ersten Halbjahr 2019.

© Romolo Tavani / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat im ersten Halbjahr 2019 mehr ausgegeben, als sie eingenommen hat.

Die Kosten stiegen insgesamt um 4,7 Prozent, die Einnahmen hingegen nur um 3,6 Prozent, wie das Bundesgesundheitsministerium (BMG) am Mittwoch mitteilte. Das führte zu einem Defizit von 544 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten dieses Jahres.

Die Gesamtausgaben der GKV betrugen 125,226 Milliarden Euro, das waren 5,637 Milliarden Euro mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Die höchsten Anteile entfielen auf das AOK-System mit 47,480 Milliarden Euro und die Ersatzkassen mit 47,464 Milliarden Euro (siehe nachfolgende Grafik).

Ein Ausgabenzuwachs war besonders bei der Krankenhausbehandlung (+ 1,125 Milliarden Euro), Arzneimitteln aus Apotheken und von Sonstigen (946 Millionen Euro) und Ausgaben, die der vertragsärztlichen Versorgung zugute kommen (811 Millionen Euro), zu verzeichnen. Zu Letzeren zählen nach BMG-Angaben Kosten für die ärztliche Behandlung (auch in Hochschulambulanzen), Behandlung durch Belegärzte in Krankenhäusern, ärztliche Beratung und Behandlung bei Empfängnisverhütung, Sterilisation, Schwangerschaftsabbruch, Früherkennung, Mutterschaftsvorsorge sowie Dialyse-Sachkosten.

Blickt man auf die Ausgaben je Versicherten, so zeigt sich ein Kostenplus von 4,19 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2018.

Besonders stark nahmen die Ausgaben je Versicherten für Schutzimpfungen (+13,27 Prozent) und Heilmittel (+12,46 Prozent) zu (siehe nachfolgende Grafik).

Je nach Kassenart schlugen die gestiegen Ausgaben bei Impfungen und Heilmittel unterschiedlich zu Buche. Das AOK-System notierte einen Kostenzuwachs je Versicherten von 16,5 Prozent bei Schutzimpfungen und 12,9 Prozent bei Heilmitteln (siehe nachfolgende Grafik).

Die Innungskrankenkassen meldeten hingegen überhaupt kein zweistelliges Ausgabenplus. Die höchsten Steigerungsraten je Versicherten verzeichneten die IKKen bei Heilmitteln (+9,8 Prozent), Zahnersatz (+8,9 Prozent) und Fahrtkosten (+8,7 Prozent).

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 16.09.2019 um 9:51 Uhr.

Lesen Sie dazu auch:
1. Halbjahr 2019: Krankenkassen fahren sattes Minus ein

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[06.09.2019, 09:22:37]
Dr. Hans Michael Walter 
Absolutwerte
Hier fehlen die Absolutwerte in Euro. Wie sonst erklärt sich, dass die Kostensteigerung der AOK für Ärzte (+1,4%) durch Verwaltungskosteneinsparung (-1,6%) scheinbar ausgeglichen wird, während die Steigerung bei den Impfkosten um 1/6 als Kostentreiber dargestellt wird. Steigerungsraten allein anzugeben ohne die Basis zu nennen ist letztlich nur eine Un-Information. Zu welchem Zweck? zum Beitrag »
[05.09.2019, 14:48:14]
Gerhard Leinz 
Kaum Nutzwert
Da die prozentualen Steigerungen nicht mit absoluter Zahl (Eurosummen) zusammengeführt werden hat diese Statistik kaum einen Wert. 6,09 Prozent Steigerung bei Zahnersatz ist wahr scheinlich viel mehr als 100 Prizent(in Eur)o als 12,46 Prozent bei Heilmitteln.. Für ganz schlechter Journalismus.
So entstehen auch falsche Eindrücke und falsche Handlungstränge bei Verantwortungsträgern.  zum Beitrag »

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