Ärzte Zeitung online, 11.09.2008

Rüttgers gegen Gentests an Embryos zum Zwecke möglicher Abtreibung

KÖLN (dpa). Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers hat sich gegen die geplante Freigabe von Gentests an Embryos gewandt, weil sie zu einer Abtreibung aus medizinischen Gründen führen könnten. Das Bundesgesundheitsministerium wies die Bedenken von Rüttgers zurück.

Gentests an Embryos seien mit unserem Menschenbild nicht vereinbar, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident am Mittwoch bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Köln laut Redemanuskript.

Im Wesentlichen befürwortete er den Entwurf zum Gendiagnostik-Gesetz. Es gebe aber einen Paragrafen, der Gene über Leben und Tod entscheiden lasse.

Der Gesetzentwurf war im August vom Bundeskabinett beschlossen worden, nun wird sich der Bundestag damit befassen (wir berichteten). Er verbietet zum Beispiel, dass Arbeitgeber oder Versicherungen Gen-Untersuchungen von Bewerbern oder Kunden verlangen, um deren Gesundheitsrisiken abzuschätzen. Auch heimliche Vaterschaftstests oder Tests an Embryonen zur Geschlechtsbestimmung werden verboten.

Das Gesetz sieht aber auch vor, dass genetische Eigenschaften eines Embryos festgestellt werden dürfen, die "seine Gesundheit während der Schwangerschaft oder nach der Geburt beeinträchtigen".

Rüttgers kritisierte: "Es heißt: Ein Embryo darf genetisch auf ein Alzheimer-Risiko getestet und abgetrieben werden. Obwohl niemand sagen kann, ob die Krankheit nach 70, 75 oder 80 Jahren tatsächlich ausbricht."

Der Einschätzung von Rüttgers wird widersprochen

Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach widersprachen dieser Einschätzung. "Das Gesetz eröffnet in keiner Weise die Möglichkeit zu Schwangerschaftsabbrüchen, die mit einer eventuell zu irgendeinem Zeitpunkt einmal ausbrechenden Erkrankung des Ungeborenen gerechtfertigt würden", sagte Bosbach dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Donnerstag). Lauterbach meinte, kein Arzt und kein Krankenhaus würden eine solche Diagnose als Grund für einen Schwangerschaftsabbruch akzeptieren.

Das Bundesgesundheitsministerium wies die Bedenken von Rüttgers zurück. Der Gesetzentwurf sehe Hürden bei der Durchführung von Tests vor, so die Beratung durch qualifizierte Ärzte, hieß es in Berlin.

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