Ärzte Zeitung online, 29.10.2008

Kirchen protestieren gegen Patentierung embryonaler Stammzellen

HANNOVER (dpa). Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben sich erneut vehement gegen eine Patentierung menschlicher embryonaler Stammzellen ausgesprochen, über die das Europäische Patentamt bald entscheiden soll.

Die zur Debatte stehende Patentierung eröffne einen Weg zu einem Monopol, um Leben exklusiv zu vermarkten und wirtschaftlich auszunutzen, warnten die katholische und evangelische Kirche in einer gemeinsamen Presseerklärung in Hannover.

"Der menschliche Körper und seine Bestandteile dürfen nicht verzweckt und kommerzialisiert werden", erklärte der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Prälat Karl Jüsten. "Gerade menschliches Leben in seinem ungeschützten Anfang ist nicht verfügbar und kann nicht patentiert werden."

Eine Patentvergabe hätte Präzedenzwirkung in weiteren Verfahren und würde sich auf Industrie und Forschung in Europa insgesamt auswirken, erklärten die Kirchen. Moralische Einwände einerseits und der Nutzen der Patentierung für die Menschheit andererseits müssten sorgfältig abgewogen werden. Das Europäische Patentübereinkommen verbiete Patente für biotechnologische Erfindungen, die die Verwendung von menschlichen Embryonen zu industriellen oder kommerziellen Zwecken beinhalte.

Der Antrag auf Patentierung stammt nach Angaben der Kirchen von der Wisconsin Alumni Research Foundation (WARF), die den US-Stammzellenforscher Professor James Thomson vertritt.

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