Ärzte Zeitung online, 06.02.2009

Italienische Regierung stoppt Sterbehilfe für Koma-Patientin

ROM (dpa). Die italienische Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat die Sterbehilfe für eine seit 17 Jahren im Wachkoma liegende Italienerin im letzten Moment gestoppt. Der Ministerrat in Rom beschloss am Freitag einstimmig ein Dekret, das die zuvor gerichtlich genehmigte Unterbrechung der künstlichen Ernährung Eluana Englaros verbietet.

Die 38-jährige Eluana Englaro war in der Nacht zum Dienstag aus einer Klinik im lombardischen Lecco in ein Altersheim in Udine transportiert worden. Am Freitagmorgen war dort die schrittweise Sterbehilfe eingeleitet worden (wir berichteten).

Rund um den Fall Eluana war es in den vergangenen Tagen erneut zu heftigen Protesten vonseiten des Vatikans, Sterbehilfegegnern und des Gesundheitsministeriums gekommen. Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano hatte die Regierung noch am Freitagmorgen brieflich aufgefordert, sich so schnell wie möglich um ein Gesetz zur Sterbehilfe zu kümmern. Er sehe keine Notwendigkeit eines Eingreifens per Dekret im Fall Eluana. Bisher sind in Italien im Unterschied zu Deutschland, wo es ein Recht auf passive Sterbehilfe gibt, sowohl die aktive als auch die passive Sterbehilfe verboten.

Eluana Englaro war 1992 nach einem Unfall ins Koma gefallen. Ihr Vater hatte jahrelang vergeblich darum gekämpft, die künstliche Ernährung seiner Tochter zu stoppen. Im vergangenen November hatte das oberste italienische Berufungsgericht in letzter Instanz bestätigt, dass die künstliche Ernährung der Italienerin eingestellt werden könne. Das letzte Wort liegt nun bei Staatschef Napolitano: Er muss das Dekret unterschreiben, damit es in Kraft treten kann.

Lesen Sie dazu auch:
Italienische Koma-Patientin darf sterben
Koma-Patientin darf sterben - Urteil zum "Fall Eluana" in Italien

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