Ärzte Zeitung online, 27.11.2009

Ministerium prüft "vertrauliche Geburt"

BERLIN (dpa). Das Bundesfamilienministerium prüft derzeit die Möglichkeiten einer "vertraulichen Geburt" für Schwangere in einer Notlage. Das Modell könnte unter Umständen die vom Ethikrat kritisierten Babyklappen ersetzen oder ergänzen.

Nach Aussage eines Ministeriumssprechers vom Freitag wird derzeit aber nicht an einer neuen gesetzlichen Regelung gearbeitet. Zunächst wolle man exakte Daten über die Nutzung von Babyklappen sammeln. CDU/CSU-Fraktionsvize Ingrid Fischbach und die familienpolitische Sprecherin der Fraktion, Dorothee Bär (CSU), sagten hingegen, in der Union werde das Modell der "vertraulichen Geburt" klar favorisiert.

Bei diesem Modell können Schwangere in Not ihr Kind unter ärztlicher Begleitung auf die Welt bringen und in die Obhut einer Einrichtung geben, erläuterte Bär. Die Daten der Mutter könnten bei einer nicht-staatlichen Beratungsstelle hinterlassen werden. Dem Standesamt würden sie erst nach Ablauf einer angemessenen Frist bekanntgegeben. Beide Politikerinnen kündigten einen Gesetzesvorstoß der Union an.

Fischbach sagte der "Rheinischen Post" am Freitag: "Wir wollen ein Gesetz zur vertraulichen Geburt schaffen und die Beratungsangebote für schwangere Frauen in Not ausbauen." Das neue Gesetz hat nach ihrer Darstellung die Abschaffung der Babyklappen zur Folge.

Der Deutsche Ethikrat hatte am Donnerstag in einer Empfehlung erhebliche Bedenken zu Babyklappen und anderen Angeboten zur anonymen Geburt geäußert - vor allem weil sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft verletzten. Er schlug stattdessen ein "Gesetz zur vertraulichen Kindesabgabe mit vorübergehend anonymer Meldung" vor.

Der Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU, Thomas Rachel, hält den Fortbestand von Babyklappen "für sinnvoll und hilfreich". Rachel stützte damit ausdrücklich die Position der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, die sich für die weitere Nutzung der Babyklappen ausgesprochen hat.

Die Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen, Maria Elisabeth Thoma, sagte hingegen, nach den Empfehlungen des Ethikrates könne man "nicht einfach so weitermachen". Die rechtlichen Bedenken seien "sehr überzeugend", sagte sie der "Frankfurter Rundschau" am Freitag.

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