Ärzte Zeitung, 04.02.2013
 

"Pille danach"

Das Signal des Kardinals

Kehrtwende bei der "Pille danach": Der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner hat sich für die Notverhütung ausgesprochen. Die NRW-Regierung sieht darin ein "wichtiges Signal". Derweil wird der Ruf nach der anonymen Spurensicherung laut.

Von Ilse Schlingensiepen

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Auch für katholische Kliniken: die "Pille danach".

© Rolf Vennenbernd / dpa

KÖLN. Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hat die Erklärung des Kölner Erzbischofs Josef Kardinal Meisner zur Verordnung der "Pille danach" begrüßt.

Sie sei "ein wichtiges Signal zur Sicherstellung einer umfassenden Versorgung von Frauen in Not in Krankenhäusern in katholischer Trägerschaft". Die "Pille danach" könne ein entscheidender Faktor zur psychischen Stabilisierung von Frauen nach einer Vergewaltigung sein, sagte Steffens.

"Ich bin sehr froh über die klarstellenden Worte des Erzbischofs von Köln und gehe davon aus, dass dies für alle katholischen Kliniken in Nordrhein-Westfalen entsprechende Signalwirkung hat."

So könnten mögliche Unsicherheiten des Klinikpersonals im Umgang mit Opfern sexueller Gewalt ausgeräumt werden.

Nach dem bundesweiten Wirbel über die Abweisung eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers durch zwei katholische Krankenhäuser in Köln hatte sich Meisner mit Fachleuten über die "Pille danach" beraten und eine Erklärung abgegeben. Dabei vollzog er nach der bisherigen totalen Ablehnung eine Kehrtwende.

Meisners neue Position: Nach einer Vergewaltigung kann ein Präparat eingesetzt werden, das auf die Verhinderung der Zeugung zielt.

Die Verordnung von Präparaten, deren Wirkprinzip die Nidationshemmung ist, sei dagegen nicht vertretbar, weil es sich dabei um eine Tötung handele.

"Die Ärzte in katholischen Einrichtungen sind aufgefordert, sich rückhaltlos der Not vergewaltigter Frauen anzunehmen und sich dabei unter Berücksichtigung des neuesten Stands der medizinischen Wissenschaft in ihrem ärztlichen Handeln an den oben genannten Prinzipien auszurichten", heißt es.

Gegen eine Aufklärung über Methoden, die aus Sicht der katholischen Kirche nicht vertretbar sind, sei nichts einzuwenden, wenn die Ärzte ohne Druck auszuüben auch die katholische Sicht der Dinge klar machen.

Der Arbeitskreis Opferschutz Bonn/Rhein-Sieg hat inzwischen gefordert, dass die Anonyme Spurensicherung für vergewaltigte Frauen in NRW flächendeckend zur Verfügung gestellt wird und nicht länger vom Engagement einzelner Einrichtungen abhängt.

Bislang fehlten geregelte Rahmenbedingungen und vor allem eine verbindliche Finanzierung für Befunddokumentation, Lagerung und Transport der Spuren sowie für Fortbildungen und die Koordination der Projekte, kritisierte die Organisation. (iss)

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