Ärzte Zeitung, 07.06.2013
 

Leitartikel zur Sequenzierung des Genoms

Was anfangen mit den Datenmassen?

Die Entschlüsselung des Erbguts eines Menschen ist schneller und preisgünstiger geworden. Das schafft neue Herausforderungen, weil auch ungewollt genetische Informationen zutage gefördert werden, auf die Betroffene nicht vorbereitet sind.

Von Peter Leiner

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Die Sequenzierung der etwa 20.000 Gene eines Menschen kostet heute nur noch 600 Euro.

© af-p / fotolia.com

Vor mehr als einer Dekade kostete es noch etwa 100 Millionen US-Dollar, um das gesamte Genom eines Menschen mit seinen zweimal drei Milliarden Bausteinen durchzusequenzieren, vor einem Jahr waren es nur noch knapp 8000 US-Dollar.

Und wenn man sich nur die etwa 20.000 Gene anschauen will, kann man die Sequenzierung dieser DNA heute für nur noch knapp 800 US-Dollar, also 600 Euro haben. Sein Erbgut im Detail kennenzulernen ist viel weniger aufwändig und für fast jeden erschwinglich geworden.

Technisch aufwändiger ist dagegen, sich bei der Sequenzierung auf bestimmte Erbgutabschnitte zu fokussieren.

Der Nobelpreisträger Professor James Watson und der ehemalige Leiter des Internationalen Humangenomprojekts Dr. Francis Collins, Leiter der US-nationalen Gesundheitsinstitute NIH, sind bekannte Forscher, die sich ihr Erbgut haben komplett sequenzieren lassen.

Auch um das Sequenzieren künftig noch erschwinglicher zu machen und medizinisch nutzbare Informationen zu sammeln, treiben vor allem Wissenschaftler des Personal Genome-Projekts (PGP) um den Humangenetiker und Gründer des Projekts Professor George Church in Boston diese Forschung voran.

Das Ziel: 100.000 Freiwillige zu finden, die sich ihr Erbgut sequenzieren lassen, gut über Humangenetik informiert und darüber hinaus bereit sind, die gesammelten persönlichen medizinischen Daten über die Internetseite des PGP jedem Interessierten zur Verfügung zu stellen.

Es gibt bereits mehr als 2700 Einträge in der Teilnehmerliste, knapp 170 Genome wurden bis heute komplett sequenziert.

Solche Entwicklungen machen deutlich, wie wichtig es ist, dass sich medizinische Fachgesellschaften verstärkt mit der neuen Technik auseinandersetzen, die eine Fülle von genetischen Daten kreiert.

Von den meisten Daten weiß man noch gar nicht, was man damit anfangen soll - schon gar nicht diejenigen, von denen sie stammen ...

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