Ärzte Zeitung online, 17.07.2014

EuGH-Gutachter

Nicht jede Eizelle ist ein Embryo

LUXEMBURG. Nicht jede menschliche Eizelle gilt nach Ansicht eines Gutachters beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) als Embryo. So sei eine Eizelle, die sich ohne Befruchtung weiterentwickelt und aus der kein Mensch werden kann, nicht als Embryo anzusehen.

Diese Auffassung vertritt der Generalanwalt in einem am Donnerstag vorgelegten Gutachten für das höchste EU-Gericht. Das Urteil zu parthenogenetisch aktivierten Eizellen wird erst in einigen Monaten fallen. In den meisten Fällen folgt der Gerichtshof dem Gutachter.

Bei der Parthenogenese, der Jungfernzeugung, wird eine nicht befruchtete Eizelle im Labor zur Teilung angeregt. Sie enthält demnach keine väterliche DNA und ist nicht fähig, sich zu einem Menschen zu entwickeln.

Wird die Eizelle jedoch genetisch in einer Weise manipuliert, dass sie sich zu einem Menschen entwickeln kann, muss sie laut Gutachten als menschlicher Embryo angesehen werden. Als solcher ist sie dann nach einer EU-Richtlinie von der Patentierbarkeit ausgeschlossen.

Ein englisches Gericht hatte den Fall an den EuGH verwiesen, nachdem ein Unternehmen eine Technologie zur Herstellung bestimmter Stammzellen aus diesen Eizellen patentieren lassen wollte. Die Anmeldung wurde zurückgewiesen, wogegen das Unternehmen klagte. (dpa)

Topics
Schlagworte
Medizinethik (2200)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[22.07.2014, 18:35:58]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
einer Eizelle (=monoploid) fehlt der zweite Chromosomensatz zur "Teilung"
Vermutlich handelt es sich also um eine diploide Oozyte, vor der Meiose, also der Reifung zur Eizelle.
Müsste auch bei "Spermien" möglich sein.
Da ist die Auswahl dann etwas größer :-) zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Wenn Frauen beim Sex Urin verlieren

Unwillkürlicher Urinabgang beim Geschlechtsverkehr tritt bei Frauen öfter auf, als viele glauben. Gesprochen wird darüber nur selten. Dabei könnte den Betroffenen geholfen werden. mehr »

Aufgeschlossen, aber schlecht informiert

Jugendliche und junge Erwachsene halten sich beim Thema Organspende für eher schlecht informiert. Trotzdem sind sie dafür wesentlich aufgeschlossener als Ältere. mehr »

Hirnschaden durch zu viel Selen

Fast blind und dement kommt eine Frau zum Arzt. Dieser findet das Problem: Sie hat lange viele Selenpillen geschluckt. Die Nahrungsergänzung schädigte ihr Hirn dauerhaft. mehr »