Ärzte Zeitung online, 17.03.2016

Gauck zu Medizinethik

"Die Herausforderungen nehmen zu"

Die medizinische Forschung biete Chancen, werfe aber auch immer öfter ethische Fragen auf, betont Bundespräsident Joachim Gauck zur Eröffnung des 11. Global Summit der nationalen Ethik-Gremien der Welt.

BERLIN. Es wird immer schwieriger, Forschungserfolge und Ethik zu vereinen. Ambivalenzen und Dilemmata in der Medizinethik würden damit präsenter - auf der einen Seite stehe die "Hoffnung auf Heilung", auf der anderen "Bedenken beim Eingriff in menschliches Erbgut" oder die Angst, dass "neu gezüchtete Krankheitserreger zu Krieg führen" könnten.

Diesen Zwiespalt zwischen Chancen und Risiken der Forschung hat Bundespräsident Joachim Gauck zur Eröffnung des 11. Global Summit der nationalen Ethik-Gremien der Welt betont.

"Durch die Erfolge der Wissenschaft werden wir zu Mitgestaltung der Evolution", sagte er am Donnerstagmorgen in Berlin. "Verantwortung ist daher wichtiger denn je."

Über 200 Vertreter nationaler Ethikräte und Bioethik-Komitees aus über 100 Ländern Tagen bis Freitag unter dem Titel "Globale Gesundheit - Globale Ethik - Globale Gerechtigkeit".

Laut Veranstalter haben sich in diesem Jahr "so viele Teilnehmer wie nie zuvor" angemeldet. Der Global Summit wird gemeinsam vom Deutschen Ethikrat und der WHO in Zusammenarbeit mit der UNESCO vorbereitet.

Ziel müsse es unter anderem sein, ein globales ethisches Verständnis dafür zu gewinnen, dass etwa klinische Studien nicht auf dem Rücken schwächer gestellter Menschen ausgetragen werden, sagte Dr. Christiane Woopen, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, im Vorfeld der Veranstaltung.

Ethische Entscheidungen seien in der Medizin von herausragender Bedeutung. So biete der Global Summit die Möglichkeit, über Themen wie Sterbehilfe zu diskutieren.

"Das Abstellen einer Beatmungsmaschine ist ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich solch wichtige ethische Entscheidungen eingestuft werden. In einem konzeptionellen Rahmen bringt der Arzt damit um, im anderen hält er den Patienten nach seinem Willen nicht künstlich am Leben. Die Frage ist aber, wie dieser Rahmen letztlich gesteckt wird." (jk)

Interessierte können die Veranstaltung per Live-Stream auf www.globalsummit-berlin2016.de verfolgen.

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