Ärzte Zeitung online, 06.11.2017

Tabakverkauf

Hausarzt kämpft gegen Automaten

Hausarzt kämpft gegen Automaten

Aktion von Hausarzt Dr. Joachim Kamp: Warnschilder vor Tabakautomaten in Emsdetten.

© privat

KÖLN. Dr. Joachim Kamp gibt nicht auf. Der Hausarzt und Palliativmediziner aus Emsdetten, der sich seit langem für ein Tabakwerbeverbot einsetzt, macht weiter gegen Tabakautomaten mobil: "Ich lasse mich nicht mundtot machen."

Im Sommer hatte er Zigarettenautomaten verhüllt und mit drastischen Parolen wie "Wegen 140.000 Toten geschlossen" versehen (die "Ärzte Zeitung" berichtete) Nach der Anzeige eines Automatenaufstellers musste er die Aktion zunächst einstellen. Er will gerichtlich gegen das Verbot kämpfen, schließlich gehe es um die Meinungsfreiheit. "Das ist bei diesem Thema notwendig und verhältnismäßig", erklärt Kamp.

Bis das entschieden ist, bleibt der Hausarzt aber nicht untätig. Schließlich sei ihm nur untersagt worden, die Automaten zu verkleben und den Verkauf zu beeinträchtigen. Jetzt stellt er Schilder vor die Zigarettenautomaten.

"Trotz 140.000 Todesfällen: Der Verkauf geht weiter!", heißt es dort. Damit werde der Verkauf nicht behindert, Politik und Automatenbetreiber würden aber in die Pflicht genommen, argumentiert er. "Als Palliativarzt, der jeden Tag Raucherkranke behandelt, finde ich es unerträglich, dass der Handel mit Zigaretten nicht verboten wird."

Andere Länder seien viel weiter, betont Kamp. So wolle Finnland auf eine Raucherquote von unter zwei Prozent kommen. (iss)

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[13.11.2017, 14:33:59]
Siegfried Ermer 
Jeder Zigarettenautomat ein stiller Killer
Liebe Ärzte,

nicht immer sind Ärzte oder andere Personen so engagiert und motiviert, sich öffentlich so für den Nichtraucherschutz einzusetzen wie unser Mitglied Dr. Joachim Kamp.

Als einziger Verband im Gesundheitssektor, der nach dem Unterlassungsklagengesetz berechtigt ist, selbständig Klagen zu erheben, sind wir in der Lage, auch Personen zu helfen, die nicht wie Herr Dr. Kamp öffentlich in Erscheinung treten wollen.

Aktuell haben wir bereits eine Musterklage gegen einen Zigaretten-Automatenaufsteller eingeleitet.

Dipl.-Kfm. Siegfried Ermer
Pro Rauchfrei e.V.
www.pro-rauchfrei.de zum Beitrag »
[10.11.2017, 18:08:28]
Dr. Helmut Ulrich 
Kann ich nur befürworten.
Habe dieses Jahr 4 Frauen unter 60 Jahren, die bereits an Lungen-Ca gestorben sind oder sterben werden.
Die Kosten steigen ins Endlose. Rund um die Uhr Betmung mit hohem Personalaufwand.
Hohe Medikamentenkosten.
Bei immer weniger Ärzten können wir uns diese Resourcenverbrauch nicht mehr leisten. zum Beitrag »
[06.11.2017, 07:53:57]
Dr. Angelika Marquardt 
Zigarettenautomaten
Hut ab vor dem Kollegen und meine volle Unterstützung! Endlich einer, der den Mund aufmacht gegen die Tabakkonzerne.
 zum Beitrag »

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