Ärzte Zeitung online, 15.12.2017

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Kulturkampf um Stammzellen ist entschärft worden

Vor 15 Jahren tobte in Deutschland eine Art Kulturkampf um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen. Inzwischen gibt es auch andere Möglichkeiten.

BERLIN. Das 2002 vom Bundestag verabschiedete Stammzellgesetz erlaubte zunächst nur die Forschung an Stammzellen, die vor dem 1. Januar 2002 erzeugt wurden. Im Jahr 2008 ist der Stichtag für die Verwendung von Stammzelllinien auf den 1. Mai 2007 verschoben worden. Beide Regelungen sollen verhindern, dass die Forschung die Nachfrage nach neuen Stammzellen antreibt. Doch mittlerweile gibt es neue Möglichkeiten, Stammzellen zu gewinnen:

- Wie entstehen embryonale Stammzellen?

Embryonale Stammzellen (ES) werden aus dem Inneren von wenige Tage alten Embryonen, also nach der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, entnommen. Dieser Zellverband heißt Blastozyste. Embryonale Stammzellen können zum Beispiel aus einer Blastozyste entnommen werden, die im Reagenzglas bei einer künstlichen Befruchtung gewonnen wurde, aber nicht mehr für eine Schwangerschaft benötigt wird. Der wenige Tage alte Embryo wird allerdings bei der Gewinnung der Stammzellen zerstört. ES haben den Vorteil, dass sie sich in jede beliebige Köperzelle entwickeln können – mit unbegrenzter Vermehrungsfähigkeit.

- Was sind pluripotente Stammzellen?

Eine pluripotente Stammzelle ist eine Art Ursprungszelle, die sich unbegrenzt vermehren und alle Zelltypen des Körpers bilden kann, zum Beispiel Muskelzellen, Nervenzellen oder Blutzellen. Diese Fähigkeit der Stammzellen bezeichnet man als Pluripotenz.

- Was sind induzierte pluripotente Stammzellen?

Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) ähneln den Zellen eines wenige Tage alten Embryos, doch sie entstehen völlig anders. Für ihre Gewinnung werden spezialisierte Zellen wie zum Beispiel Hautzellen im Labor in einen quasi embryonalen Ursprungszustand rückprogrammiert. Der Vorteil ist, dass dafür keine Embryonen zerstört werden müssen. Der Nachteil ist, dass "erwachsene" Zellen sich im Laufe der Zeit verändert haben können, also beispielsweise Mutationen ansammeln. Das lässt sich beim Rückprogrammieren nicht aufheben.

Große Hoffnung machen iPS in der personalisieren Medizin – wenn also Menschen bei einer Stammzell-Therapie mit körpereigenen rückprogrammierten Zellen behandelt werden könnten. Das würde ihnen Medikamente ersparen, die das Immunsystem unterdrücken und damit die Abstoßung der transplantierten Zellen verhindern. Ob das Verfahren praktikabel ist, ist aber noch nicht klar. Mutationen könnten dieses Konzept erschweren – und die Technik zu ihrer Gewinnung ist vielleicht zu kostspielig, um sie jedes Mal neu und individuell für Patienten finanzieren zu können. (dpa)

Lesen Sie dazu auch:
Deutsche Forschung: Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

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