Ärzte Zeitung online, 26.07.2018

Debatte um Pränatal-Tests

Trisomietest für ein "qualitätsgesichertes Kind"?

Bluttests, die ein Downsyndrom vorzeitig feststellen können, haben aktuell eine heftige Debatte ausgelöst. Für Rudolf Henke ist dies ein guter Zeitpunkt grundsätzlich darüber nachzudenken, wie weit eine Geburt unbeeinflusst bleiben soll.

Trisomietest für ein "qualitätsgesichertes Kind"?

Angesichts der anstehenden Entscheidung, ob der Bluttest auf Trisomie 21 Kassenleistung werden soll, ist eine heftige Debatte entbrannt über gesellschaftliche Folgen.

© Astroid / stock.adobe.com

BERLIN. Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein Rudolf Henke hält eine grundsätzliche gesellschaftliche Debatte für notwendig: Soll die Geburt ein unbeeinflusstes und natürliches Ereignis bleiben, oder wollen wir wenn möglich qualitätsgesicherte Kinder? Angesichts der anstehenden Entscheidung, ob der Bluttest auf Trisomie 21 Kassenleistung werden soll, ist dafür jetzt der geeignete Zeitpunkt, findet er.

Henke ist Bundestagsabgeordneter der CDU und einer der zehn Unterzeichner des Positionspapiers "Vorgeburtliche Bluttests – wie weit wollen wir gehen?". Die zehn Abgeordneten aus allen Bundestagsfraktionen außer der AfD machen sich darin für eine Bundestags-Debatte zum Thema stark.

Aufhänger der aktuellen Debatte um die ethische Bewertung von Pränataltests ist ein Abschlussbericht des IQWiG aus dem Juni zu den diagnostischen Eigenschaften dieser Tests. Darin bewertet das Institut die nicht invasive Pränataldiagnostik (NIPD) bei Trisomie 21 mit über 99 Prozent als ähnlich sensitiv und spezifisch wie die invasiven Methoden.

Der G-BA hatte zuvor im Herbst 2016 ein Bewertungsverfahren eingeleitet, in dem geprüft wird, ob nichtinvasive Pränataltests eine Regelleistung der Krankenkassen bei Risikoschwangerschaften werden.

Bereits vor drei Jahren war es zu einer ähnlichen Debatte um den ethisch umstrittenen Praena-Test gekommen. Mit einer parlamentarischen Anfrage, die von Abgeordneten aller Fraktionen im Bundestag getragen wird, fordern sie damals die Bundesregierung auf, zu pränatalen molekulargenetischen Tests Stellung zu nehmen, die ein Screening auf Trisomie 21 beim Ungeborenen ermöglichen. Auch Union und SPD tragen die Anfrage mit, die eigentlich zum klassischen Handwerkszeug einer Oppositionsfraktion gehört.

"Uns alle eint die Befürchtung, dass die Möglichkeit, früh und risikoarm zu testen, eine gesellschaftliche Erwartung erzeugen könnte, diese Angebote zu nutzen. Eltern, die sich gegen den Test oder wissentlich für ein behindertes Kind entscheiden, könnten künftig immer mehr in Erklärungsnöte geraten", heißt es in der damaligen gemeinsamen Erklärung von Corinna Rüffer (Grüne), Hubert Hüppe (CDU), Dagmar Schmidt (SPD) und Kathrin Vogler (Linke). (run/iss)

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