Ärzte Zeitung online, 11.04.2019

Kommentar

Sieben Jahre zu spät

Von Florian Staeck

florian.staeck

Schreiben Sie dem Autor florian.staeck@springer.com

Die zweistündige Debatte des Bundestags über nicht-invasive Pränataltests (NIPT) war ein guter Auftakt, dieses Thema vorne auf der politischen Agenda zu platzieren – mehr aber auch nicht.

Es ist bezeichnend, dass eine fraktionsübergreifende Abgeordnetengruppe Druck machen musste, damit es zu dieser Debatte gekommen ist. Zur Erinnerung: Die ersten dieser Tests sind 2012 auf den Markt gekommen. Sieben Jahre später – zu spät – startet nun die Meinungsbildung im Parlament.

Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD mit 177 Seiten auf viele noch so randständige Themen verständigt – zentrale medizinethische Fragen rund um den Beginn des Lebens wurden ausgespart.

Dieses Problem hat sich chronifiziert: Der Bundestag ist durch den medizinisch-technischen Fortschritt eingeholt worden, der immer genauere Blicke auf das ungeborene Leben erlaubt. Wie ein Solitär steht das Embryonenschutzgesetz seit 1990 im Raum, das viel verbietet und wenig gestaltet.

Derweil suchen Paare mit Kinderwunsch im Ausland ihr Heil, wo Anbieter auf die zahlungskräftige Klientel warten. Wird der Gesetzgeber auf alle diese Fragen schlüssige Antworten geben können? Wohl kaum. Aber der nun erkennbare Wille zur politischen Gestaltung ist ein Fortschritt für sich.

Lesen Sie dazu auch:
Debatte im Bundestag: Gratwanderung beim Pränataltest

Topics
Schlagworte
Medizinethik (2332)
Personen
Florian Staeck (1254)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Stromstimulation hilft Gedächtnis auf die Sprünge

US-Forscher haben mit einer speziellen Wechselstromstimulation das Arbeitsgedächtnis von über 60-Jährigen auf das Niveau von 20-Jährigen gehoben – zumindest für kurze Zeit. mehr »

Aufklärung alleine verpufft

Nicht nur zu Ostern locken Schokolade und Co.: Laut DONALD-Studie liegt der Zuckerverzehr gerade bei Kindern und Jugendlichen noch immer über der WHO-Empfehlung. Forscher sehen hier die Politik in der Pflicht. mehr »

Länger geguckt, eher gekauft

Menschen treffen irrationale Kaufentscheidungen, so eine Studie: Allein eine lange Betrachtungsdauer lässt Personen eher zugreifen – selbst, wenn das Produkt schlecht ist. mehr »