Ärzte Zeitung online, 17.10.2017
 

Notfallversorgung

Neue KV-Praxis könnte Notaufnahme massiv entlasten

Am Asklepios Klinikum Harburg soll eine KV-Notfallpraxis der Notaufnahme wieder mehr Luft verschaffen. Ab sofort bieten niedergelassene Hausärzte dort eine allgemeinmedizinisch-internistische Versorgung außerhalb der Sprechzeiten an.

Von Dirk Schnack

Neue KV-Praxis könnte Notaufnahme massiv entlasten

Eröffnen die Notfallpraxis (v.l.): Dr. Dirk Heinrich, Joachim Gemmel, Cornelia Prüfer-Storcks, Walter Plassmann.

© KV Hamburg

HAMBURG. Die Eröffnung der KV-Notfallpraxis für ambulante Versorgung am Asklepios Klinikum Harburg ist nach Ansicht von Politikern, Krankenkassen und Kliniken ein richtiger Schritt. Alle verbinden damit die Hoffnung, dass das neue Angebot zu einer Entlastung in der Notaufnahme führen wird.

"Viele Menschen suchen heute mit ihren gesundheitlichen Problemen die Notaufnahmen der Krankenhäuser auf, obwohl sie mit ihren Anliegen in einer Arztpraxis besser aufgehoben wären. Die Eröffnung der Notfallpraxis an der Asklepios Klinik Harburg ist deshalb ein wichtiger Schritt, um die ambulante ärztliche Versorgung im Hamburger Süden außerhalb der Praxis-Öffnungszeiten zu verbessern und gleichzeitig die Notaufnahmen zu entlasten", sagt etwa Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), die die Praxis offiziell eröffnet hat.

Rund 20.000 ambulante Fälle

Das neue Angebot ist direkt gegenüber der zentralen Notaufnahme in den Räumen der früheren Gynäkologie des Klinikums Harburg angesiedelt. Dort werden niedergelassene Hausärzte eine allgemeinmedizinisch-internistische Versorgung außerhalb der Sprechzeiten bis Mitternacht anbieten. Am Wochenende und an Feiertagen öffnet die Praxis morgens um acht Uhr, am Freitag um 17 Uhr, mittwochs um 13 Uhr und an den anderen Tagen um 18 Uhr. Nach 24 Uhr versorgen Ärzte der Notaufnahme die Patienten. In der Praxis stehen drei Untersuchungsräume mit EKG und eingeschränkter Labordiagnostik zur Verfügung.

Wie stark das Krankenhaus durch das neue Angebot entlastet werden könnte, zeigt ein Blick auf die Zahlen von 2016: Im vergangenen Jahr verzeichnete die ZNA des Hauses 64.092 Fälle einer Direktinanspruchnahme durch Patienten. In Hamburg geht man davon aus, dass rund 30 Prozent davon ambulante Fälle waren – also rund 20.000.

Klinik-Geschäftsführer Joachim Gemmel erwartet vom neuen Angebot eine bessere Steuerung der Patienten. Er betont: "Die medizinische Versorgung einer steigenden Anzahl von oftmals nicht als Notfall zu bezeichnenden Patienten gehört nicht zum Versorgungsauftrag eines Krankenhauses, sondern in kompetente haus- und fachärztliche Hände."

Konzept soll ausgebaut werden

Hamburgs Ersatzkassen-Chefin Kathrin Herbst sieht in dem neuen Angebot einen Beitrag zu einer "transparenten, gut erreichbaren und jederzeit verfügbaren Notfallversorgung". Zur allgemein in Notaufnahmen herrschenden Situation sagte sie: "Weder sollen Patienten mit Schmerzen stundenlang in einer Klinikambulanz ausharren müssen, noch ist es sinnvoll, dass Menschen mit Bagatellerkrankungen in eine Notaufnahme kommen, die von einem Hausarzt hätten versorgt werden können."

Vergleichbare Einrichtungen wie in Harburg soll es mittelfristig an weiteren Klinik-Standorten geben. Die Nächste wird voraussichtlich am UKE eröffnet, dort allerdings mit Ärzten aus dem eigenen Haus. Am Bundeswehrkrankenhaus wird nach aufwändigen Umbauarbeiten die bisherige Notfallpraxis Farmsen, die nicht an einem Krankenhaus angesiedelt ist, untergebracht. Außerdem wollen KV Hamburg und KV Schleswig-Holstein gemeinsame Notfallpraxen am Klinikum Nord und am Reinbeker St. Adolph-Stift realisieren. Die Termine stehen noch nicht fest. Die KV Hamburg hat bereits klargestellt, dass Portalpraxen nicht flächendeckend an jedem Krankenhausstandort möglich sind – dafür reichen weder das erforderliche Personal noch das Geld. Um die Notaufnahmen dennoch flächendeckend zu entlasten, startet die KV wie berichtet ab 2018 den "Arztruf Hamburg", der zu einer besseren Inanspruchnahme des ambulanten Angebotes führen soll.

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