Ärzte Zeitung online, 07.11.2017

Hämotherapie

Novelle der Blutspende-Richtlinien findet Anklang

Transplantationsmediziner: Aktualisierte Richtlinie ist eine gute Arbeitsgrundlage für jeden Arzt.

KÖLN. Mit der in diesem Sommer veröffentlichten Novelle der Hämotherapie-Richtlinien der Bundesärztekammer findet der Fortschritt in der Transfusionsmedizin Eingang in den Behandlungsalltag, betont der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transplantationsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) Professor Harald Klüter.

"Die Richtlinien sichern nicht nur die bestmögliche Behandlung der Patienten mit sicheren Blutprodukten, sondern dienen auch der Ärzteschaft als Grundlage für eine anerkannte Vorgehensweise in der Transfusionsmedizin und Immunhämatologie", erläuterte Klüter bei der 50. Jahrestagung der DGTI in Köln.

Er sieht die Richtlinien als Arbeitsgrundlage für jeden Arzt bei der Blutspende, ihrer Verarbeitung und der Anwendung von Blutpräparaten. Die Novelle trage mit einer Vielzahl von Details den Veränderungen in den verschiedenen Bereichen Rechnung, sagte er.

Ein wichtiger Punkt ist die Anpassung der Kriterien für den Ausschluss und die Rückstellung von Spendern. So werden Personen mit einem hohen Risiko, eine übertragbare Infektion zu erwerben, nicht mehr dauerhaft von der Blutspende ausgeschlossen, sondern sie dürfen zwölf Monate nach Beendigung des Risikoverhaltens wieder spenden. Zu der Gruppe zählen homosexuelle Männer.

Die Richtlinie war auf Kritik der Deutschen Aids-Hilfe gestoßen: Wenn homosexuelle Männer nur Blut spenden könnten, wenn sie ein Jahr keinen Sex hatten, schließe das die meisten von der Spende aus.

Die Entscheidung für die zwölf Monate sei auf Basis sehr intensiver Vorarbeiten gefallen, betonte Klüter. "Zur Risikoabwägung wurden internationale Studien einbezogen, und die spezielle Situation in Deutschland wurde berücksichtigt." Es sei nicht um die Diskriminierung Homosexueller gegangen, sondern um die Bewertung von Risikoverhalten, auch bei Heterosexuellen.

Die Richtlinie bezeichnete Klüter als "größtmöglichen gesamtgesellschaftlichen Konsens" der beteiligten Fachdisziplinen und Interessengruppen. Er befinde sich in ständiger Entwicklung.(iss)

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