Ärzte Zeitung online, 29.11.2017
 

Zi-Erhebung

Notfallambulanz ein Risiko?

Kommentar von Wolfgang van den Bergh

Für die KBV ist die aktuelle Erhebung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) eine Steilvorlage im Streit um die Neuorganisation des ärztlichen Notfalldienstes.

Zwei Botschaften stehen im Zentrum der Untersuchung: Viele Notfallambulanzen an Kliniken sind nicht ausgelastet. Und: Schlecht ausgelastete Ambulanzen stellen für Patienten mit lebensbedrohlichen Zuständen ein Sicherheitsrisiko dar.

Das ist starker Tobak, der die Diskussion um die Notaufnahmen in Kliniken anheizen wird. Das Zi belegt seine Thesen mit internationalen Daten, die aber nur bedingt auf Deutschland übertragbar sind. In den hier aufgeführten Gesundheitssystemen erfolgt Versorgungssteuerung zum Teil nach eigenen länderspezifischen Regeln und geübten Praktiken.

Dennoch wird der Druck auf die Politik wachsen, sich etwa mit den Rechtsgrundlagen für die Besetzung von Bereitschaftspraxen zu beschäftigen. Bedeutet: mehr Personal und mehr Geld, um eine Rund-um-die-Uhr-Präsenz sicherzustellen. Damit wäre auch das Thema wohnortnahe Erreichbarkeit erledigt.

Nur die Vorstellung, beides mit der Streichung der angeblich überflüssigen Klinikambulanzen zu verrechnen, ist extrem ambitioniert. Denn die Notaufnahmen, die übrig bleiben, müssen personell aufgerüstet werden. Diese Frage dürfte sich dann vor allem auch in Ballungszentren stellen.

Lesen Sie dazu auch:
Zi-Studie: Notaufnahmen - Je weniger Patienten, desto höher das Risiko

[30.11.2017, 10:58:18]
Dr. Karlheinz Bayer 
wirklich starker Tobak - und praxisfern dazu!
Dänemarks Notfallambulanzen kenne ich nicht, wohl aber die in Italien und England. Wer jemals dort gestrandet ist weiß, was 10 Patienten pro Stunde heißt. Wer dann noch meint, daß diese Form der Arbeitsverdichtung ein Ausdruck von mehr Qualität sein soll, glaubt auch, daß die Ansiedlung von Störchen gut sei für die Geburtenrate.
Es mag ja sein, daß man hien und da übertreiben muß, um ein Ziel zu erreichen, daß also der Zweck die Mittel heiligt.
Wenn es um etwas Gutes geht, geht das ja in Ordnung.
Nur, in diese Sch... hat uns die KV selbst hineingeritten, indem sie nach und nach die hausärztliche Notfall-Dienststruktur einer begrenzten Zahl von KV-Notfallpraxen geopfert hat, mit dem Ergebnis, daß jetzt die Krankenhausambulanzen überfüllt sind und nicht die KV-Praxen.
Versorgungssteuerung heißt nicht, alles erst mal zerschlagen und sich dann wundern, daß nichts mehr geht.
Zentralinstitut!
Man sollte die Mitarbeiter des Zentralinsituts für ein Quartal in die Notfallpraxen stecken, dann würde deren Ich-mach-mir-die-Welt-wie-es-mir-gefällt-Überlegungen sicher praxisnäher aussehen.

Dr.Karlheinz Bayer, Hausarzt und Notarzt zum Beitrag »

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