Ärzte Zeitung online, 18.01.2018

Niedersachsen

Kinderärztlicher Bereitschaftsdienst sorgt für Skepsis

In Niedersachsen ist der kinderärztliche Bereitschaftsdienst neu organisiert worden. Mancher fürchtet nun, die Wege könnten zu lang sein.

HANNOVER. Die KV Niedersachsen hat den kinderärztlichen Bereitschaftsdienst im Land auf zehn Notdienstpraxen an Kliniken mit einer pädiatrischen Abteilung umgestellt. Beschlossen wurde die Änderung bereits im Jahr 2014. Nun ist die Umstellung fast abgeschlossen. Aber nicht alle Beteiligten sind optimistisch.

"Bisher gab es in Niedersachsen nur vereinzelt kinderärztliche Bereitschaftsdienste", sagt Detlef Haffke, Sprecher der KV Niedersachsen. "Wo sie fehlten, griffen die Eltern auf den allgemeinärztlichen Bereitschaftsdienst zurück." Jetzt gibt es im ganzen Land flächendeckende Lösungen für die Eltern.

Im Jahr 2014 hat die KVN beschlossen, dass bei einem von der KVN festgestellten Bedarf vor allem in Ballungsräumen ein kinderärztlicher Bereitschaftsdienst eingerichtet werden soll. "Hierfür müssen in einem kinderärztlichen Bereitschaftsdienst so viele Kinderärzte zur Verfügung stehen, dass für jeden einzelnen Arzt nicht mehr als vier Dienste pro Quartal abzuleisten sind", erklärt Haffke.

"Bereits aus Gleichheitsgründen haben Kinderärzte hier einen Anspruch darauf, in einem kinderärztlichen Bereitschaftsdienst nicht anders behandelt zu werden, als die zur Teilnahme am allgemeinen Bereitschaftsdienst verpflichteten Ärzte."

Zudem will die KVN junge Ärzte nicht mit all zu vielen Bereitschaftsdiensten vergraulen. "Die einzige Möglichkeit, die Dienstbelastung im Bereitschaftsdienst zu senken, besteht darin, bisher eigenständige Bereiche zu größeren Einheiten zusammenzufassen", so Haffke. "Dies kann für einige Patienten natürlich mit längeren Anfahrtswegen verbunden sein. Die Alternative wäre allerdings die vollständige Einstellung von fachärztlichen Diensten, weil nicht genügend Ärzte für die Durchführung zur Verfügung stehen."

Problematisch mit kleinen Kindern

Allerdings wollen Eltern mit ernstlich kranken Kindern auch dann kurze Wege haben, wenn der allgemeinärztliche Bereitschaftsdienst nicht ausreicht. Zum Beispiel, wenn sie in Wilhelmshaven wohnen. Hier gab es früher an Wochenenden einen Bereitschaftsdienst der Kinderärzte.

Er wurde aufgelöst, und die Ärzte wurden in den allgemeinen Bereitschaftsdienst eingegliedert. Unterdessen wurde im 60 Kilometer entfernten Oldenburg eine Bereitschaftsdienstpraxis eröffnet. Denn dort gibt es 36 Pädiater. Sie können sich den Dienst teilen, ohne öfter als vier Mal im Quartal an der Reihe zu sein.

Nun befürchtet Wilhelmshavens Oberbürgermeister, Andreas Wagner, dass die Eltern seiner Stadt und ihrer Umgebung wegen der großen Entfernung nach Oldenburg im Zweifel die Kinderklinik in der Küstenstadt aufsuchen werden. "Die Kinderklinik ist für Notfälle und die stationäre Versorgung von kranken Kindern ausgelegt, nicht jedoch auf die ambulante Versorgung", wendet Wagner ein.

Wagner weiter: "Das Team wird somit unweigerlich an seine Grenzen stoßen, wenn sich Eltern mit ihren Kindern einfach an die Kinderklinik wenden." Immerhin hat Wilhelmshaven knapp 80 000 Einwohner.

Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Wilhelmshaven, teilt diese Sorge nicht. "Die Inanspruchnahme des ehemaligen Bereitschaftsdienstes in Wilhelmshaven lag im niedrigen zweistelligen Bereich pro Dienst", sagte er der "Ärzte Zeitung". "Die neue Regelung gilt jetzt seit zwei Wochen, und es gab bisher keine Probleme." (cben)

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