Ärzte Zeitung online, 01.02.2018

Volle Ambulanzen

Ohne Not in die Notaufnahme

Wasser auf die Mühlen der Portalpraxis-Befürworter? Fast jeder Zweite, der in die Notaufnahme kommt, ist kein Notfall, so eine Studie der Techniker Krankenkasse.

Ohne Not in Notaufnahme

Eine volle Notaufnahme: Mehr als jeder zweite Deutsche war in den letzten zehn Jahren mindestens einmal in der Notaufnahme.

© Tobias Kleinschmidt / dpa/ picture-alliance

BERLIN. Nur sechs von zehn Menschen, die in den vergangenen zehn Jahren mit Beschwerden in die Notaufnahme eines Krankenhauses kamen, waren tatsächlich auch Notfälle. Bei vier von zehn Befragten gaben die Notfallmediziner nach einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) hingegen Entwarnung.

In diesem Zeitraum war mehr als jeder zweite Mensch in Deutschland (53 Prozent) mindestens einmal in der Notaufnahme eines Krankenhauses, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Studie hervorgeht.

TK für Notfallsystem

TK-Chef Jens Baas erklärte dazu: "Ob ein Notfall vorliegt oder nicht, können viele Menschen nur schwer einschätzen. Bei unklaren Beschwerden kann es natürlich sehr sinnvoll sein, einen Arzt aufzusuchen – Es muss aber nicht immer direkt die Notaufnahme sein." Baas plädierte für ein Notfallsystem, "das die Patienten verstehen und Notärzte nicht überlastet".

Portalpraxen direkt in den Krankenhäusern könnten etwa dafür sorgen, dass Patienten, die keine akuten Notfälle sind, die passende medizinische Hilfe finden, ohne die Kapazitäten der Notaufnahmen zu blockieren.

Im vergangenen Herbst hatten Kassenärztliche Bundesvereinigung und Marburger Bund ein Reformkonzept für eine integrierte Notfallversorgung durch die rund 150.000 Praxisinhaber und die knapp 2000 Krankenhäuser vorgelegt.

Dazu sollten die recht unbekannte Bereitschaftsnummer der niedergelassenen Ärzte, 116117, und die bisherige Notrufnummer des Rettungsdienstes, 112, stärker vernetzt werden. Patienten sollen bei dieser gemeinsamem medizinischen Anlaufstelle rund um die Uhr anrufen können und eine qualifizierte Ersteinschätzung bekommen, um ohne Umwege in die für sie passende Versorgungsebene zu kommen. (dpa)

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