Ärzte Zeitung online, 27.02.2018

Nordrhein-Westfalen

204 Fälle von Gewalt gegen Rettungskräfte

Mehr als 200 Mal wurden Rettungskräfte in Nordrein-Westfalen angegriffen – innerhalb von nur sechs Monaten.

KÖLN. In Nordrhein-Westfalen gab es im zweiten Halbjahr 2017 204 registrierte Übergriffe auf Rettungs- und Einsatzkräfte. Der Großteil von ihnen ging auf das Konto von deutschen Einzeltätern, viele von ihnen waren betrunken.

Das zeigt die Antwort von Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten Dr. Martin Vincentz. Der Arzt aus Krefeld hatte von der Landesregierung Einzelheiten zu diesen Straftaten und ihren Hintergründen wissen wollen.

Nach den von Reul vorgelegten Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik waren von den 204 erfassten Übergriffen 305 Rettungskräfte betroffen, davon 185 Feuerwehrleute.

Die Polizei konnte insgesamt 199 Tatverdächtige ermitteln. Vincentz hatte unter anderem nach ihrer Herkunft gefragt. Die meisten, nämlich 144, kamen aus Deutschland.

Häufig ist Alkohol im Spiel

Fast alle Übergriffe erfolgten im Alleingang. 108 der 199 Tatverdächtigen standen unter Alkoholeinfluss, bei dreien waren Betäubungsmittel im Spiel und bei elf beide Substanzen.

Bei den Übergriffen auf die Rettungskräfte ging es in 68 Fällen um vorsätzliche einfache Körperverletzung, bei 18 um gefährliche Körperverletzung. Zu den Delikten, wegen derer ermittelt wird, zählen auch Widerstand gegen Personen, die Vollstreckungsbeamten gleichstehen (45), Bedrohung (30) und Widerstand gegen Polizeivollzugsbeamte.

Reul verweist in seiner Antwort darauf, dass die Landesregierung zusammen mit der Unfallkasse NRW und der komba Gewerkschaft eine Forschungsstudie der Universität Bochum zur Gewalt gegen Rettungskräfte unterstützt hat, deren Ergebnisse im Oktober 2017 veröffentlicht wurden.

Auf dieser Basis werde man gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden sowie Vertretern von Feuerwehren und Rettungsdiensten Maßnahmen zur Reduzierung beziehungsweise Vermeidung der Gewalt vereinbaren, kündigt er an.

"Angriffe auf diejenigen, die uns schützen und dienen, sind völlig inakzeptabel", betont der Innenminister. (iss)

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