Ärzte Zeitung online, 15.03.2018

Medizintechnik

Monitoring unterstützt Klinikpersonal

Ein Frühwarnsystem zur Überwachung von Patienten auf der Normalstation kann kritisch kranke Patienten identifizieren.

BREMEN. Mit der IT-gesteuerten kabellosen Überwachung können Risikopatienten frühzeitig erkannt werden. In der Folge werden durch frühe Intervention Komplikationen vermindert und die Mortalität sinkt, wie es vor Kurzem bei einem Satellitensymposion des Anbieters Philips hieß.

Etwa fünf bis zehn Prozent der Patienten auf Normalstationen erlitten einen schwerwiegenden Zwischenfall. Ein Drittel der Betroffenen, die einen Kreislaufstillstand, eine Sepsis oder andere Komplikationen entwickelt, zeige bis 48 Stunden vorher auffällige Parameter. Bei frühem Erkennen veränderter Vitalparameter könnten diese kritischen Ereignisse in 50 bis 60 Prozent der Fälle vermieden werden.

Das European Resuscitation Council (ERC) empfehle daher in seiner aktuellen Leitlinie "Erweiterte Reanimationsmaßnahmen für Erwachsene" den Einsatz von Frühwarnsystemen, mit deren Hilfe kritisch kranke Patienten beziehungsweise Patienten mit Risiko für deutliche klinische Verschlechterung identifiziert werden können.

Mit IntelliVue Guardian des Herstellers Philips existiere ein solches System, das durch frühes Erkennen möglicher Komplikationen eine rechtzeitige Einleitung therapeutischer Maßnahmen ermögliche. Das System messe alle zwölf Stunden kabellos Vitalparameter, berechne daraus automatisch einen speziellen Score und alarmiere bei ersten Anzeichen klinischer Verschlechterung. Die Grenzwerte für jeden Parameter können nach Unternehmensangaben klinikintern definiert werden.

Basis sei der National Early Warning Score (NEWS) mit Werten von eins bis sechs (Beobachten und Messung alle sechs Stunden), sieben bis 15 (Warnung und Messung stündlich) und 16 bis 25 (Notfall).

Eine prospektive Studie an mehr als 4400 Patienten bestätige die Effektivität dieser Gerätelösung, wie Dr. Christian Subbe, School of Medical Sciences der Bangor Universität und Ysbyty Gwynedd Hospital (Wales), berichtete. Unter der Überwachung sei es durch häufigere Interventionen wie Gabe von Flüssigkeit, Bronchodilatatoren oder Antibiotika zu signifikant weniger schweren Ereignissen gekommen – 185 versus 268 in der Kontrollgruppe, p<0,001. Auch die Mortalität sei signifikant reduziert worden – 147 versus 173, p=0,042). Eine schwere Sepsis habe nur ein Patient entwickelt – versus 21 in der Kontrollgruppe, p<0,001.

In Deutschland sei das System Ende 2016 in einem Pilotprojekt im Sana Klinikum Lichtenberg installiert worden. Die bisherigen Erfahrungen sind laut Pflegedirektorin Cathrin Stransky positiv. Das System sei voll in den Stationsalltag integriert, erkenne kritische Patienten zuverlässig und gebe so zusätzliche Sicherheit bei der Überwachung. Die Akzeptanz sei bei Patienten und Personal gleichermaßen hoch. (koc)

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