Ärzte Zeitung online, 11.08.2018

Hol- und Bring-Service

Patienten-Shuttle zum Bereitschaftsdienst

Nicht der Arzt muss rausfahren, sondern die Patienten werden in die Praxis gebracht: In Aurich erprobt die KV Niedersachsen einen neuen Service.

cben_8077419-A.jpg

Im ostfriesischen Aurich können die Wege für Bereitschaftsdienstärzte weit sein. Ein Shuttle-Service soll sie entlasten.

© Melanie Vollmert / Pixelio.de

AURICH. Im ostfriesischen Aurich soll ein Fahrdienst die Bereitschaftsdienstärzte entlasten. Die KV Niedersachsen (KVN) und der Johanniter-Unfalldienst haben vor Kurzem einen Shuttle-Service eingerichtet.

Er fährt über Land, holt die Patienten von zu Hause ab, bringt sie zur Bereitschaftsdienstpraxis in Aurich und nach der Behandlung wieder zurück nach Hause. "Der diensthabende Arzt kann somit seine Hausbesuche während des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes reduzieren", sagt Dr. Volker Niehaus, Vorsitzender des KVN-Bezirksausschusses Aurich, im "Niedersächsischen Ärzteblatt". "Unser Ziel ist es, die Zahl der angeforderten Hausbesuche im Bereitschaftsdienst zu reduzieren und somit unsere Mitglieder zu entlasten."

Außerdem sei die Versorgung in einer Praxis besser als zu Hause, und im Zweifel sei die Klinik gleich nebenan, sagt Kai Laarmann, Leiter des Geschäftsbereiches vertragsärztliche Versorgung in der KVN-Bezirksstelle Aurich.

Johanniter machen Koordination

Die Koordination der Einsätze übernimmt die Leitstelle der Johanniter-Unfall-Hilfe in Oldenburg über die Telefonnummer 116.117. Ein Mitarbeiter in der Leitstelle entscheidet, wie es nach dem Anruf weitergeht. Soll der Patient vom Shuttle-Bus geholt werden oder soll doch ein Bereitschaftsdienstarzt einen Hausbesuch machen, weil der Patient nicht transportfähig ist?

Soll der Anrufer mit einem Bagatellanliegen auf die Öffnung der nächsten Praxis warten oder muss der Mitarbeiter den Telefonkontakt zu einem Arzt herstellen, der die Beschwerden des Anrufers einordnet und gegebenenfalls handelt?

Gerade im weitläufigen Ostfriesland ist diese Entscheidung von Interesse. Bis zu 26 Kilometer muss der Wagen zurücklegen, wenn er die Patienten aus dem entferntesten Zipfel des Einzugsgebietes abholen will, sagt Laarmann.

Mit dem Shuttle schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe, kommentiert Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der KVN. "Wir reduzieren die Zahl der diensthabenden Ärzte, da im Fahrdienst kein Arzt mehr mitfährt, und sorgen für eine verstärkte Auslastung der Bereitschaftsdienstpraxis. Das verspricht Effizienzgewinne."

Allerdings sei der Shuttle-Service "keine bedarfsdeckende Maßnahme", wie Laarmann betont, "sondern eher ein Experiment, wie der Bereitschaftsdienst auf dem Land funktionieren kann". Evaluiert wird das Projekt von der Fachhochschule Emden. Die Kosten von 60.000 Euro trägt die KVN. (cben)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Honorar-Einigung erzielt!

18:30Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben sich nach siebenstündigen Verhandlungen auf das Honorar für 2019 geeinigt. mehr »

App sorgt für weniger Tage mit Migräne

Bei Einsatz einer Migräne-App lassen sich Kopfschmerztage merklich reduzieren – und zwar um 25 Prozent. Das geht aus einer Studie der Schmerzklinik Kiel und der TK hervor. mehr »

Die Zukunft gehört der sensorischen Zuckermessung

Die Zeiten, in denen sich Diabetiker zur Blutzuckermessung in den Finger stechen müssen, sind wohl bald vorbei. Sensor-Messsysteme bringen neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. mehr »