Ärzte Zeitung, 06.08.2015

Zu wenige Ärzte

Zuschüsse für Arbeit im ÖGD

Weil Kliniken Ärzte besser bezahlen, will das Land Thüringen ab 2016 das Gehalt von ÖGD-Ärzten aufstocken.

ERFURT. Thüringer Gesundheitsämter suchen händeringend Ärzte. In den nächsten zehn Jahren gehen nach Prognosen des Sozialministeriums mindestens 31 in Vollzeit beschäftigte Mediziner des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in Ruhestand. Bereits jetzt sind für ausgeschriebene Arztstellen kaum Nachfolger zu finden.

Über die Ursache für die Misere sind sich Land und Landesärztekammer weitgehend einig: Bei der Ärztebezahlung hinkt der ÖGD der Konkurrenz vor allem durch Kliniken deutlich hinterher. Jetzt will das Land gegensteuern - und die Kommunen finanziell in die Lage versetzen, ÖGD-Ärzten Gehaltszuschüsse zum Ausgleich der Einkommensdifferenzen zu zahlen.

Von 2016 an peilt das von der Linke-Politikerin Heike Werner geführte Ministerium die Übernahme der Kosten für Gehaltszuschüsse durch das Land an. Ziel sei es, die Arbeit im ÖGD durch eine bessere Bezahlung wieder attraktiver zu machen, sagte Ministeriumssprecher Matthias Hinze.

Bereits in diesem Jahr soll es außerdem Landeszuschüsse für die Weiterbildung des Nachwuchses zum Amtsarzt geben. Dafür sind laut Ministerium 50.000 Euro im kürzlich beschlossenen Haushalt vorgesehen. Die Höhe der für Gehaltszuschüsse im ÖGD veranschlagte Summe werde Thema in den Etatverhandlungen für 2016 und 2017 sein, so Hinze.

Hintergrund für die Gehaltsunterschiede zwischen ÖGD- und Klinikärzten - Ärztevertreter sprechen von bis zu 1000 Euro monatlich - sind unterschiedliche Tarifregelungen. Für Klinikärzte gilt der vom Marburger Bund ausgehandelte eigenständige Tarifvertrag, Ärzte in Gesundheitsämtern werden nach dem Flächentarif des Öffentlichen Dienstes bezahlt.

Die Kommunen können den Ärzten zwar Zuschläge zahlen, der Thüringer Landkreistag sah in der Vergangenheit allerdings das Land in der Pflicht. Derzeit gibt es in den Gesundheitsämtern der Landkreise und kreisfreien Städte 77 Arzt- und 21 Zahnarztstellen.

Unter anderem in den Landkreisen Saalfeld-Rudolstadt und im Altenburger Land sind Arztstellen in den Gesundheitsämtern ausgeschrieben.Die Landesärztekammer Thüringen hatte die rot-rot-grüne Landesregierung und die kommunalen Spitzenverbände aufgefordert, für eine bessere Bezahlung von Ärzten im öffentlichen Gesundheitsdienst zu sorgen. (zei)

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