Ärzte Zeitung online, 02.09.2009

Organhandel in Ägyptens Hinterhofkliniken

KAIRO (dpa). In Ägypten versucht die Regierung, dem illegalen Organhandel einen Riegel vorzuschieben. Die ägyptische Tageszeitung "Al-Masry Al-Yom" berichtete am Mittwoch, das Gesundheitsministerium habe am Dienstag die Polizei zu einer Razzia in eine Hinterhofklinik in dem Kairoer Vorort Nasr-City geschickt.

Als die Beamten die Wohnung stürmten, flohen ein Arzt, ein Krankenpfleger und ein Organ-Vermittler über den Balkon und durch das Badezimmerfenster. Der Narkosearzt streifte den Angaben zufolge rasch seine OP-Kleidung ab, warf sich zu Boden und tat so, als würde er beten. In der Wohnung, die nicht dem Hygiene-Standard einer Klinik entsprach, hielt sich gerade ein junger Jordanier auf, der operiert werden sollte. Er hatte seine Niere an eine Frau aus Saudi-Arabien verkauft.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird nirgendwo ein so schwunghafter Handel mit Organen betrieben wie in Ägypten, China, Kolumbien, Pakistan und den Philippinen. Demnächst soll in Ägypten erstmals ein Gesetz verabschiedet werden, das alle Fragen rund um die Organspende regelt. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass der Organspender kein Geld erhalten darf. Bisher sind es vor allem Patienten aus den arabischen Golfstaaten, die zur Nierentransplantation nach Ägypten reisen.

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