Ärzte Zeitung online, 18.10.2010

Israel: Organe von Krebs-Patient transplantiert

JERUSALEM (eb). In Israel ist das passiert, was wohl keinem Transplantationsmediziner passieren will: Vier Patienten haben Organe von einem Toten erhalten, bei dem kurz nach der Transplantation ein bösartiger Tumor festgestellt worden war.

Israel: Organe von Krebs-Patient transplantiert

Chirurgen bereiten eine entnommene Niere zur Transplantation vor. Jetzt ist es in Israel zu einer Tragödie gekommen: Bei einem Organspender wurde kurz nach der Transplantation Bauchspeicheldrüsenkrebs festgestellt.

© dpa

Der Krebs sei allerdings unmöglich zu erkennen gewesen, berichtet die israelische Tageszeitung "Jerusalem Post" am Montag unter Berufung auf den Vorsitzenden der Transplantationsorganisation "Israel Transplant", Professor Rafael Beyar. Der Tumor in der Bauchspeicheldrüse sei nur wenige Millimeter groß gewesen.

Vier Patienten haben dem Bericht zufolge insgesamt fünf Organe des Spenders erhalten - darunter beide Lungenflügel, beide Nieren und die Leber. Laut Beyar seien sie bereits informiert und würden nun überwacht. Doch sei es unwahrscheinlich, dass sie eine Krebserkrankung durch das Spenderorgan entwickelten.

Käme es im schlimmsten Fall doch zu einer Tumorbildung, würden die betroffenen Patienten mit der üblichen Krebstherapie behandelt werden. Beyar sagte, dass die Organe nie transplantiert worden wären, hätte es vorher einen positiven Krebsbefund gegeben.

Der Spender verstarb laut der "Post" bereits Anfang des Monats in der Uniklinik von Beersheva. Alle folgenden Routineuntersuchungen, etwa die Tests auf mögliche Infektionen mit HIV oder Hepatitis-Viren, seien negativ gewesen.

Erst jetzt, zwei Wochen nach der Transplantation, sei bei einer pathologischen Untersuchung der kleine Tumor im Pankreas entdeckt worden. Die Bauchspeicheldrüse wurde nach Angaben der "Post" nicht gespendet, da sie entzündet war.

Beyar: "Bei dieser Größe ist das Risiko, dass der Tumor Metastasen in anderen Organen bildet winzig." Dennoch seien die Empfänger informiert worden. Der jetzige Fall ist nach Auskunft der "Post" der womöglich erste Fall in der 40-jährigen Geschichte der israelischen Organtransplantation.

Erst jüngst wurde ein Fall aus den USA bekannt, bei dem sich zwei Patienten durch transplantierte Organe mit einer Amöben-Spezies infiziert hatten. Einer der beiden Empfänger starb wenige Wochen später, der zweite leidet an neurologische Folgeerscheinungen.

Lesen Sie dazu auch:
Erstmals Amöben-Infektion durch Organtransplantation beschrieben

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