Ärzte Zeitung online, 31.10.2010

Organspende: Steinmeier will Kassen in die Pflicht nehmen

BERLIN (dpa/eb). Nach der Nierenspende für seine Ehefrau setzt sich der SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier für eine Änderung des Organspendegesetzes ein, um die Zahl der Spenden in Deutschland spürbar anzuheben.

Organspende: Steinmeier will Kassen in die Pflicht nehmen

Steinmeier mit seiner Frau: "Viele leiden, weil es nicht genügend Spenderorgane gibt."

© dpa

"Ich schlage vor, dass jeder Bundesbürger von den Krankenkassen verpflichtend über Organspenden informiert wird, und er sich dann offen und frei entscheidet", sagte Steinmeier "Bild am Sonntag".

"Wir wissen doch nicht erst seit meinem Fall, dass viele Menschen leiden, manche sterben, weil es nicht genügend Spenderorgane gibt." Deshalb wolle er einen neuen parteiübergreifenden Anlauf für die Änderung des Organspendegesetzes machen.

Mit einigen Krankenkassen hat Steinmeier dem Bericht zufolge bereits über eine mögliche Gesetzesänderung gesprochen. Norbert Klusen, Chef der Techniker Krankenkasse, sagte der Zeitung: "Angesichts von 1000 Toten jedes Jahr muss man über jede Möglichkeit nachdenken, mit der man die Menschen dazu bringt, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen."

Für Informationsgespräche kämen nicht nur Krankenkassen infrage, sondern auch Ärzte oder kirchliche Einrichtungen. "Wichtig ist, dass die Entscheidung für oder gegen Organspende freiwillig bleibt", sagte Klusen.

Bereits am Samstag hatte sich der Medizinethiker Professor Eckhard Nagel für eine Erklärungspflicht ausgesprochen. Die Idee, Aufklärung würde die Menschen dazu bringen, sich für oder gegen Organspende zu entscheiden, habe sich nicht bewahrheitet, sagte er der "NRZ".

Nagel, der ärztlicher Direktor des Uniklinikums Essen und Mitglied im Deutschen Ethikrat ist, sprach sich für eine obligatorische Erklärung auf der Krankenversicherungskarte aus.

Lesen Sie dazu auch:
Organspende: Medizinethiker für Erklärungspflicht

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