Ärzte Zeitung online, 29.12.2010

Hessen verzeichnet Anstieg bei Zahl der Organspender

MAINZ (ine). In Hessen ist die Zahl der Organspender gestiegen. Bis November haben 188 Menschen Organe gespendet. Im Jahr davor waren es nur 129. "Die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern hat gut geklappt", sagt Dr. Undine Samuel. Sie ist als geschäftsführende Ärztin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Mainz für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland im Einsatz.

Hessen verzeichnet Anstieg bei Zahl der Organspender

Organspende schenkt Leben. In Hessen spendeten bis November mehr Menschen Organe als im Vorjahr.

© Deutsche Stiftung Organtransplantation

In Deutschland muss ein Hirntoter zu seinen Lebzeiten einer Organspende zugestimmt haben. Hat er dies nicht getan, müssen die Angehörigen die Entscheidung treffen. Nach Angaben der DSO warten bundesweit etwa 12 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Schätzungsweise 1000 Menschen sterben jährlich während sie auf eine Transplantation hoffen.

Trotz aller Aufklärungskampagnen ist das Thema Organspende im Klinikalltag immer noch heikel. Es sind Ärzte, die einen möglichen Hirntod feststellen, also den Ausfall sämtlicher Hirnstammreflexe. Das gehört zu ihrem Job. Ärzte sollten allerdings auch bereits bei einer Gehirnschädigung an einen möglichen Hirntod denken und an die damit verbundene Organspende, so Samuel. Zudem könne im hektischen Klinikalltag das Thema Organspende durchaus mal vergessen werden.

"Da ist Unterstützung von uns gefordert - beispielsweise mit Fortbildungsangeboten für Ärzte und Pflegepersonal", so Samuel. Die Urologin hat selbst einige Jahre in einem urologischen Explantationsteam für die DSO gearbeitet.

Die Erhöhung der Organspenden in Hessen führt die Ärztin auch darauf zurück, dass es mittlerweile in jeder Klinik in Hessen, die einen Intensivbereich hat, Transplantationsbeauftragte gibt. Gute Erfahrungen gemacht hat die DSO auch mit Koordinatoren, die in die Kliniken gehen und ein Gesprächstraining anbieten. Denn auch für Ärzte sei es schwer, Angehörige von Hirntoten auf mögliche Organspenden anzusprechen. "Der Tod ist immer noch ein Tabuthema", so die Ärztin.

Für manche Angehörige, etwa für Eltern, deren Kinder sterben, sei eine Organspende allerdings auch ein Trost, eine Unterstützung im Trauerprozess. Sie rät Kliniken, für solche Gespräche erfahrene Ärzte einzusetzen. Junge Ärzte seien meist unerfahren in der Gesprächsführung. "Dies ist immer noch nicht Teil der Ausbildung."

Ziel ist nun, nächstes Jahr die Zahlen auf dem Niveau zu halten. Einer der Schwerpunkte liegt dabei auf der Aufklärung. Nach einer Umfrage der DSO fällt Angehörigen die Entscheidung für eine Organspende leichter, wenn sie bereits zu Lebzeiten mit dem Verstorbenen über das Thema gesprochen haben.

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