Ärzte Zeitung online, 11.01.2011

Jeder soll sich mit Organspende beschäftigen

Um die Zahl der Organspender in Deutschland zu erhöhen, wollen Spitzenpolitiker von Union, SPD und Grünen die Zustimmungsregelung reformieren. Ihr Plan: Jeder Bundesbürger soll mindestens einmal im Leben mit dem Thema Organspende konfrontiert werden.

Von Anno Fricke

Jeder soll sich mit Organspende beschäftigen

Zu seltener Moment: Ein Spenderherz ist bereit zur Transplantation.

© dpa

BERLIN. Deutschland soll ausländischen Vorbildern folgen und seinen Bürgern wenigstens einmal im Leben die Gretchenfrage stellen: "Wie hältst Du‘s mit der Organspende?" werden die Fahrschüler künftig gefragt, bevor sie die für viele wichtigste Prüfung ihres Lebens ablegen.

Dies ist zumindest der Plan, den Volker Kauder im Sinn hat. Noch ist er mit dieser Idee nicht bei der CDU/CSU-Fraktion vorstellig geworden, der er vorsteht.

Gesprochen hat er darüber aber mit SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der seiner Frau im vergangenen Jahr eine Niere gespendet hat und der dem Thema schon deshalb aufgeschlossen gegenübersteht.

Zustimmung erwartet Kauder auch von Christine Scheel von den Grünen, die wie er der Initiative Organspende der Stiftung Pro Gesellschaft angehört. Leicht zu beschreitende Wege, seine Bereitschaft zu dokumentieren, fordert in diesem Zusammenhang auch die organisierte Ärzteschaft.

Die Regierung solle die Voraussetzungen schaffen, dass entweder auf der elektronischen Gesundheitskarte oder im elektronischen Personalausweis eine rechtsgültige Signatur für eine solche Einverständniserklärung möglich werde, forderte der Vizechef der Bundesärztekammer, Dr. Frank Ulrich Montgomery.

"Eine reine Koalitionslösung verbietet sich", sagte Kauder. Auf jeden Fall einvernehmlich solle die Entscheidung zur angestrebten erweiterten Zustimmungs- und Aufklärungslösung im Bundestag fallen, sagte Kauder. Eine Mehrheitsentscheidung nach der Debatte unterschiedlicher Ansätze würde die Menschen weiter verunsichern.

Die Menschen sind seit Wochen mit dem Thema konfrontiert. Von Plakatwänden grüßen Prominente wie der Schauspieler Ralf Möller oder der Fußballer Michael Ballack mit der Botschaft: "Ich geb Dir meine Organe, wenn Du mir Deine gibst."

Die nach Angaben der Veranstalter sehr große Kampagne hat bislang den erwünschten Erfolg nicht gebracht. Bei der Neuauflage der Initiative verstärkten sie den moralischen Druck. "Wer Organe empfangen will, muss bereit sein, seine zu geben", sagte AOK-Vizechef Jürgen Graalmann.

Seine Organe zu spenden müsse Teil des Lifestyles unserer Gesellschaft werden, verwies der Direktor der Berliner Meoclinic Berlin und Gründer der Initiative Organspende, Dr. Reinhard Pregla, das Thema auf das Feld der Mode. "Nicht dabei zu sein, muss zum No Go werden", forderte Pregla.

Vorsichtiger argumentierte der Politiker. Der Staat werde niemanden moralisch unter Druck setzen, versprach dagegen Kauder und rief zum Respekt auch vor der Entscheidung gegen die Spende auf.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Auch das Nein verdient Respekt

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