Ärzte Zeitung online, 17.01.2011

Terpe: Bürger mehr über Organspende informieren

ROSTOCK (dpa). Mehr Informationen zur Organspende hat der Rostocker Grünen-Politiker Dr. Harald Terpe gefordert. "Wenn man sich für eine Organspende entscheidet, dann muss man sich informiert entscheiden", sagte der Arzt und Bundestagsabgeordnete am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Terpe: Bürger mehr über Organspende informieren

Grünen-Politiker Terpe: Bürger über Organspende informieren.

© Bündnis 90/Die Grünen

Terpe kritisierte den Vorschlag von Unionsfraktionschef Volker Kauder, junge Menschen bei der Ausstellung des Führerscheins mit dieser Frage zu konfrontieren. "Ich halte das nicht für praktikabel und nicht für angemessen", sagte Terpe.

Heranwachsende könnten nicht einfach ein Kreuzchen auf einem Fragebogen machen, ohne vorher gründlich aufgeklärt worden zu sein. Die Verwaltungsbeamten auf den Ämtern seien dafür nicht geschult.

Kauder hatte angeregt, dass alle Bürger einmal in ihrem Leben zur Organspende befragt werden. Zusammen mit SPD-Fraktionschef Frank- Walter Steinmeier will er diese "Entscheidungslösung" gesetzlich verankern. Der Bundestag soll noch in diesem Jahr entscheiden.

Voraussetzung für die Bereitschaft zur Organspende sei Aufklärung, sagte Terpe. Viele Menschen seien zur Spende einer Niere oder ihres Herzens nach dem Tod bereit.

Wenn sie jedoch wüssten, dass darüber hinaus Knochen und Knochenhäute, Brust- und Bauchfell entnommen werden, dass die Organentnahme einer "Ausweidung der Leiche gleichkommt", würden sehr viel weniger Menschen ihre Zustimmung geben, meinte der Grünen-Abgeordnete.

Spender sollten die Möglichkeit haben, ihre Entscheidung rückgängig zu machen und ihre Spendenbereitschaft auf bestimmte Organe zu begrenzen. Terpe warnte davor, Menschen bei diesem sensiblen Thema unter Druck zu setzen.

"Wir haben auch was zu verspielen, wenn wir zu forsch in eine mögliche Zwangssituation reingehen." Die Bürger könnten sich gegängelt fühlen und mit Ablehnung reagieren.

Der Schlüssel zu einer größeren Zahl von Organspenden ist nach Einschätzung von Terpe eine bessere Organisation. "Es liegt ganz wesentlich daran, wie die Organtransplantation organisiert wird, also ob es Verantwortliche gibt, die mit Patienten und Angehörigen darüber reden", sagte der Gesundheitspolitiker. Zudem müsse die Personal- und Kostenfrage in den Kliniken geregelt sein.

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Jeder soll sich mit Organspende beschäftigen

[17.01.2011, 18:42:29]
Doris Wroblewski 
Grauzone Hirntod
Als junger Mensch war es für mich eine Selbstverständlichkeit, meinen Organspenderausweis neben den anderen Ausweispapieren ständig bei mir zu haben. Nicht weil ich glaubte, später mal selber ein Organ von einem anderen Menschen zu benötigen, sondern es gehörte einfach zu meiner moralisch-sozialen Grundeinstellung.

Mittlerweile habe ich - aus Überzeugung - keinen Organspenderausweis mehr. Das liegt nicht daran, dass ich (und meine Organe) viele Jahre älter geworden bin (sind), sondern ich habe mich in der Zwischenzeit mehrfach mit diesem Thema beschäftigt.

Aus anderen Kulturkreisen ist mir bekannt, dass früher die Toten - sofern es die Temperaturen zuließen - noch +- drei Tage im Haus aufbewahrt worden, nicht nur, dass die Angehörigen Abschied nehmen konnten, sondern auch, weil man offensichtlich daran glaubte, nicht alles "Leben" habe den Körper sofort verlassen. Auf die Möglichkeit eines Scheintodes möchte ich hier nicht eingehen.

Fragt man Angehörige, welche die schwere Aufgabe hatten, für die in Frage kommende Person die Entscheidung der Organentnahme (oder nicht)zu treffen - oder Bücher liest, die darauf Bezug nehmen, - so fällt mir auf, dass sie sich der Tragweite der Entscheidung oft nicht bewusst oder über das Ergebnis entsetzt sind.

Ich erinnere mich an eine Fernsehdokumentation etwas aus dem Jahre 1997, die mir zum ersten Mal vor Augen führte, dass die Organentnahme bei "lebendigem Leibe" vorgenommen werden muss.

Die heutige Diskussion der Verkürzung der Zeit nach Feststellung des Hirntodes bis zur Organentnahme halte ich für bedenklich.
Ebenso halte ich die einmalige, nicht revidierbare Entscheidung zur Organentnahme als Vermerk auf dem Führerschein oder sonstigen Ausweispapieren, nicht für gerechtfertigt.
Weiterhin lehne ich die Praxis einiger südeuropäischer Länder ab, dass automatisch ein Verkehrstoter zur Organentnahme freigeben wird, wenn keinerlei schriftlicher Widerspruch in den Papieren zu finden ist.

Aufmerksam machen möchte ich auf das Buch von Stefan Rehder, "Grauzone Hirntod, Organspende verantworten" aus dem Sankt Ulrich Verlag, welches ich lesenswert und informativ in diesem Zusammenhang fand.

Doris Wroblewski, www.azidosetherapie-online.de zum Beitrag »

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