Ärzte Zeitung online, 05.06.2011

Organspende: Bahr gegen Widerspruchslösung

HAMBURG (dpa). Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat sich gegen eine Widerspruchslösung bei der Organspende ausgesprochen.

Wenn jeder zum Spender würde, der zu Lebzeiten nicht eindeutig widersprochen hat, werde unzulässig Druck ausgeübt, argumentierte Bahr am Samstag im NDR.

"Ich bin ein Gegner dieser Widerspruchslösung, weil es letztlich auf die Faulheit der Menschen setzt", fügte er hinzu. "Wir sollten mehr für Werbung tun, für Akzeptanz, Aufklärung. Ich glaube, dann würden wir auch die Spendenbereitschaft deutlich erhöhen."

Zum "Tag der Organspende" an diesem Samstag hatten die Fraktionschefs von Union und SPD im Bundestag für eine sogenannte Entscheidungslösung geworben. Dabei wird jeder Mensch mindestens einmal in seinem Leben danach gefragt, ob er Organspender sein will.

Volker Kauder (CDU) argumentierte in einem Gastbeitrag für "Spiegel online": "Der Staat bittet seine Bürger damit nur, Stellung zu beziehen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger."

Die Bitte um Entscheidung könne beim Erwerb des Führerscheins oder bei der Ausstellung von Pass oder Ausweis erfolgen. Zentral sei, dass die Entscheidung freiwillig bleibe. Niemand solle gezwungen werden, die Erklärung auszufüllen.

Frank-Walter Steinmeier (SPD), der im vergangenen Jahr seiner Frau eine Niere gespendet hatte, hatte sich für einen fraktionsübergreifenden Entwurf ausgesprochen. Er sagte nicht, wie eine Lösung aussehen könnte, favorisiert selbst aber die sogenannte Entscheidungslösung.

Die Gesundheitsminister von Hessen und Bayern, Stefan Grüttner (CDU) und Markus Söder (CSU), wollen alle Deutschen nach dem Hirntod zu Organspendern machen - außer sie haben zuvor ausdrücklich widersprochen.

"Die Maßnahme soll den zahlreichen betroffenen Patienten auf der Warteliste neue Hoffnung geben", erklärten sie Anfang Mai. Bei der Gesundheitsministerkonferenz Ende Juni in Wiesbaden wollen beide eine entsprechende Änderung fordern.

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