Ärzte Zeitung, 28.06.2011

Kommentar

Meinungsbildung vor Verkündigung

Von Anno Fricke

Ob sich Volker Kauder und Karl Lauterbach einen Gefallen getan haben, als sie schon vor Beginn des parlamentarischen Verfahrens verkündeten, es zeichne sich eine Mehrheit für eine Entscheidungslösung bei der Organspende ab, ist fraglich.

Zu einem solchen Urteil kann nur kommen, wer mit den Beteiligten gesprochen hat. Das scheint aber nicht der Fall zu sein.

Aus allen Fraktionen und der CSU-Landesgruppe dringt nämlich deutlicher Widerspruch: Einheitliche Fraktions- beziehungsweise Gruppenmeinungen gebe es bei bioethischen Fragen nicht, heißt es.

Es könne sich höchstens um persönliche Einschätzungen des Unions-Fraktionsvorsitzenden und des gesundheitspolitischen Sprechers der SPD-Fraktion handeln. Zudem habe es noch keine Gespräche der Fraktionen untereinander gegeben, geschweige denn liege ein Gesetzentwurf vor, schallt es aus allen Richtungen.

Am heutigen Mittwoch hören sich die Mitglieder des Gesundheitsausschusses die Argumente von Fachleuten dazu an, ob und wenn ja welche Pflichten die Menschen in Deutschland bei der Organspende haben sollen.

Damit ist die Debatte erst richtig eröffnet, nicht schon so gut wie beendet, wie die CDU- und SPD-Spitzenpolitiker glauben machen wollen.

Lesen Sie dazu auch:
Konsens zur Organspende ist bisher nur Hirngespinst

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

15:41Infektionen in Kliniken und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend. mehr »

Bangen und Hoffen bei Auslands-Briten

Das Ringen um einen Brexit-Vertrag geht auf die Zielgerade. Doch für EU-Bürger auf der Insel und Auslands-Briten ist es eine Zeit des Wartens. Das macht Großbritannien für qualifizierte Fachkräfte nicht attraktiver, meine unser Blogger Arndt Striegler. mehr »