Ärzte Zeitung online, 10.11.2011

Steinmeier und Kauder lassen nicht locker

Ein erneuter Anlauf bei der Organspende: Die Fraktionschefs von Union und SPD wollen das sensible Thema möglichst aus dem üblichen Parteienstreit heraushalten. Jetzt machen sie den vielleicht letzten Versuch für einen Konsens.

Steinmeier und Kauder lassen nicht locker

Kauder und Steinmeier: Vom Parteienstreit nicht beirren lassen.

© dpa

BERLIN (dpa). Union und SPD im Bundestag wollen die stockenden Verhandlungen über eine Neuregelung der Organspende in Deutschland nun doch zu einem parteiübergreifenden Durchbruch bringen.

Die Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) wollen die Chancen dafür bei einem Spitzentreffen mit den anderen Fraktionschefs im Bundestag ausloten, wie die Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch in Berlin aus den Fraktionsspitzen von Union und SPD erfuhr.

Ziel sei ein fraktionsübergreifender Antrag. Die Bürger sollen zur Entscheidung aufgefordert werden, ob sie ihre Organe nach dem Tod spenden wollen.

Bahr begrüßt den Vorstoß

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der an dem noch im November geplanten Treffen teilnimmt, sagte der dpa: "In der Sache herrscht große Einigkeit: Wir wollen die Spendebereitschaft erhöhen." Er begrüße den Versuch einer übergreifenden Einigung.

Die Verhandlungen der Gesundheitspolitiker von Koalition und Opposition über eine gemeinsame Organspende-Reform waren vorerst gescheitert.

Differenzen gab es darüber, ob die Menschen ein entsprechendes Schreiben von Krankenkassen oder Behörden beantworten müssen oder ob sie es auch einfach wegwerfen dürfen.

Minister war "vorgeprescht"

In einem Brief hatte sich zuvor Bahr an die Fraktionschefs im Bundestag gewandt. Er hatte darin unter anderem erneut vorgeschlagen, dass die Krankenkassen ihre Versicherten bei Versendung von Krankenversichertenkarten oder elektronischer Gesundheitskarte zu einer Erklärung aufgefordert werden sollen.

Derzeit warten etwa 12.000 Menschen, davon rund 8000 Nierenpatienten, auf ein Organ - im Schnitt fünf bis sechs Jahre.

Alle acht Stunden stirbt einer von ihnen. Mit 16 Organspendern pro einer Million Einwohner sind es in Deutschland besonders wenige.

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